Liebe Bloglerinnen und Blogleser,
Immer wieder hört man in der Schweiz, das ein akuter Personalmangel im Gesundheitswesen herrscht und doch auch Pflegende und Ärzte aus dem Ausland rekrutiert werden sollen. Gerne möchte ich nun zu dieser Thematik die Situation in Afrika am Beispiel Rundu State Hospital in Namibia schildern.
Das Rundu State Hospital ist als einziges Referal Hospital für drei Regionen zuständig. Nämlich Kavango Ost, Kavango West und die Zambesi Region. Das heisst, alle komplizierteren "Fälle" werden zu uns verlegt aus einem Einzugsgebiet, welches etwa so gross wie die ganze Schweiz ist. Dies bewältigen wir im Rundu State Hospital mit einer Gesamtzahl von 378 Angestellten. Davon sind 210 Nurse, wenn alle Stellen besetzt wären, was leider nicht so ist (siehe angefügte Tabelle). Natürlich gibt es kleinere Spitäler und Kliniken (ohne Ärzte), die die Bevölkerung zuerst versorgen. Da diese aber meistens sehr marginal ausgestattet sind, werden zum Beispiel schwierige Geburten oder Komplikationen in der Schwangerschaft zu uns verlegt. Komplikationen bei Schwangeren gibt es massenhaft, da viele Faktoren in Namibia (Armut, Unterernährung, Teenagerschwangerschaften, Infektionskrankheiten wie HIV/Aids...) die Mutter- und Kindersterblichkeit beeinflussen. Auch werden alle Knochenbrüche, Bauchoperationen und grössere Unfälle und so weiter zu uns nach Rundu verlegt.
Dies bedeutet, dass wir für eine Bevölkerung von ca. 250'000 Einwohner und viele Menschen aus dem angrenzenden Angola (welche nicht erfasst werden) als Zentrumsspital zuständig sind. Die Schweiz hat auf diese Bevölkerungsdichte sicher mehrere gut funktionierende Spitäler und Altersheime, Psychiatrien oder Rehabilitationskliniken, was es hier im Norden von Namibia überhaupt nicht gibt. Nicht selten müssen bei uns auch Patienten auf Matratzen am Boden schlafen, da das Spital für eine so grosse Bevölkerungsdichte viel zu wenig Platz bietet. Von Intimsphäre wahren und patientenbezogener Pflege wage ich gar nicht zu sprechen!
Die WHO nimmt als Ansatz, dass pro 1000 Personen ca. 2.5 Healthcare-Worker zur Verfügung sein sollten. Bei uns in Nambia ist der Schlüssel 2.0, wobei hinzugefügt werden muss, dass dieser vor allem auf die Region von Windhoek zutrifft. Im Norden ist der Schlüssel noch viel tiefer.
Die Auswirkungen von diesem Mangel sind: Lange Wartezeiten (6 bis 8 Stunden sind normal!) in Spitäler für eine Behandlung,
Dementsprechend sind auch die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitswesen sehr hart und nicht personalfreundlich. Gut ausgebildetes Pflegepersonal nimmt auch oft die Gelegenheit war, im angrenzenden Südafrika oder in England, der USA oder anderen europäischen Länder zu arbeiten. Dies verschärft natürlich der Mangel an Pflegekräften und Ärzten in Namibia um so mehr. Diese Situation wird nun vom Ministry of Health mit vermehrten Ausbildungsplätzen in allen Fachdisziplinen zu entschärfen versucht. Um aber genügend ausgebildetes Personal zu haben, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen und intensivste Anstrengungen bezüglich Arbeitsbedingungen unternommen werden müssen.
Unten ein Anschauungsbeispiel von ausgeschriebenen und besetzten Stellen des Rundu State Hospitals, wobei anzufügen ist, dass die Stellenberechnung aus dem Jahre 1997 kommt. Unterdessen hat sich die Bevölkerung im Norden etwa verdoppelt.
Job Category
|
Ausgeschriebene
Stellen
|
Besetze Stellen durch
Namibianer
|
Stellen
besetzt durch
Nicht-Namibianer
|
Offene Stellen
| |||
Medical Superintendent
(CEO)
|
1
|
0
|
0
|
1
| |||
Chief
Medical Officer
|
1
|
0
|
0
|
1
| |||
Specialist
|
4
|
0
|
2
|
2
| |||
Principal
Medical Officer
|
6
|
0
|
3
|
2
| |||
Medical Officer
|
12
|
0
|
9
|
7
| |||
Medical Officer (intern training)
|
1
|
0
|
0
|
1
| |||
Pharmacist
|
1
|
0
|
1
|
1
|
|||
Pharmacist Assistant
|
4
|
8
|
0
|
0
| |||
Radiographer
|
3
|
3
|
0
|
0
| |||
Registered Nurse
|
106
|
62
|
17
|
27
| |||
Enrolled
Nurse
|
104
|
103
|
0
|
1
| |||
Physiotherapists
|
2
|
1
|
1
|
0
| |||
Occupational Therapist
|
1
|
1
|
1
|
0
| |||
Ophthalmic Assistant
|
3
|
0
|
0
|
2
| |||
Dental Therapist
|
1
|
1
|
1
|
0
| |||
Social Worker
|
3
|
1
|
1
|
1
| |||
Dentist
|
1
|
0
|
1
|
0
| |||
Total
|
254
|
179
|
37
|
46
|
Für Namibia ist es ein grosser Vorteil, dass in Länder wie Zimbabwe die Lebens-, und
Arbeitsbedingungen noch viel schlechter sind. Das heisst, dass Namibia Fachkräfte aus Zimbabwe,
diese Länder hat dies natürlich verheerende Folgen, da nun dort gut ausgebildetes Gesundheitspersonal
fehlt, wie man zum Beispiel anhand der Ebola-Epidemie in Westafrika sehen kann.
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