Es gibt Erfreuliches aus dem Spitalalltag zu berichten, wie die Geburt von Vierlingen im Rundu State Hospital. Leider müssen wir aber auch Schwierigkeiten meistern....
Von Sibylle
To all Directors (National and Regional)
Deputy Directors, Superindendents of Referrals Hospitals, Control Administrative Officers
Re: Reduction of Operational Budget for Financial Year 2015 /2016
Mit dieser Nachricht wurden alle Spitalmanager von verschiedensten Abteilungen und Diensten zu einer notfallmässigen Sitzung einberufen. Es herrschte sofort Totenstille und alle spitzten die Ohren. Jeder fragte sich natürlich: „Von welcher Kürzung sprechen die und wie hoch wird sie sein. Ist unser Spital, unsere Abteilung oder gar unser Lohn betroffen?“
Und dann kam der Hammerschlag.....
1. Der Minister informiert, dass eine Reduktion von 24 % vom geplanten Budget 2015/2016 ab dem 1. Oktober 2015 mit sofortiger Wirkung stattfinden muss.
2. Der Grund für die Reduktion ist, dass die Regierung mehr finanzielle Mittel bereitstellen muss, damit Namibia die jetzige Trockenheit im ganzen Land überbrücken kann und Geld für Sofortmassnahmen zur Verfügung hat.
Doch was bedeutet das für unser Spital und seine Mitarbeiter?
A. Alle unbesetzten oder budgetierten Stellen dürfen momentan nicht besetzt werden. Nur für kritische Vakanzen können Mitarbeiter angestellt werden.
B. Überzeit muss strengstens reguliert werden. Viele anfallende Arbeiten dürfen nur noch in den offiziellen Arbeitszeiten gemacht werden. Arbeiten, welche auch tagsüber erledigt werden können, sind nicht mehr für Nachtdienst und somit Nachtdienstzulagen berechtigt. Alle Manager müssen die Überzeitkontrollen stark ausbauen und zuerst eine Umverteilung von Personal machen, bevor zusätzliche Mitarbeiter für Abteilungen mit hohem Arbeitsaufwand aufgeboten werden können. Nach einem Krankheitsausfall gilt eine Karenzzeit von 2 Monaten bis man wieder bezahlte Überzeit leisten darf.
C. Reisekosten und Spesen: Spesen und Reisekosten müssen um 50% gesenkt werden. Alle Spesen und Reiseentschädigungen müssen offiziell vom CEO eines Spitals erlaubt werden. Somit werden nur noch die Allernötigsten erlaubt. Nicht prioritäre Weiterbildungen, Konferenzen oder auswärtigen Sitzungen sind bis auf weiteres gestrichen.
Ich glaube, vielen Mitarbeitern vom Spital ist klar, dass eine Mehrheit der Bevölkerung unter der jetzigen Trockenzeit leidet und dass die Regierung dagegen etwas machen muss. Niemand hat aber wohl damit gerechnet, dass es jeden einzelnen treffen kann und alle gemeinsam in die Verantwortung für diese schwierige Zeit genommen werden müssen.
Wie ich festgestellt habe, ist es für viele Menschen hier schwierig, die ganzen Probleme des Landes, die momentane Trockenheit, die herrschende Armut und Arbeitslosigkeit in einem grösseren Kontext zu sehen. Meiner Meinung nach denken die Menschen zuerst an ihre Familie und sorgen dafür, dass es diesen Menschen gut geht. Diese Denkweise ist für mich verständlich, wenn das tägliche Überleben einer Familie nicht gesichert ist und das Leben ein einziger Kampf ist.
Aber speziell auch bei gut gebildeten Menschen mit mittleren und hohen Einkommen hat sich diese etwas enge Denkweise, nach meinen Beobachtungen, nicht stark verändert.
Schon bei kleinen Gefälligkeiten ist immer noch die Familie, der Treib, die bevorzugte Kontaktgruppe. Gerade auf politischer Ebene ist dies meiner Meinung nach nicht gerade förderlich, um Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen.
Die Reduktion der Überzeit und Spesen im Spital wird wohl die umstrittenste Massnahme sein. Momentan wird das System von einzelnen Mitarbeiterinnen massiv missbraucht, um zusätzliches Geld (neben einem guten Lohn) zu verdienen. So wird manchmal ein Krankheitsausfall vorgetäuscht, um auf einer anderen Abteilung illegal zu arbeiten. Somit kann die Überzeit und der Lohn kassiert werden. Dies wird minutiös geplant und zwischen den Mitarbeitern inoffiziell abgesprochen. Ich bin gespannt, wie die Regel zwei Monate nach Krankheitsausfall keine Überzeit leisten zu dürfen, aufgenommen wird.
Meine grösste Sorge ist die missliche Personallage. Diese wird somit auch dieses Jahr nicht besser. Wir können also nur hoffen, dass das Finanzjahr 2015/2016 im März schnell und schmerzlos zu Ende geht und es eine lange Regenzeit gibt. Sonst wird es auch für das zukünftige Leben der oben genannten Vierlinge schwierig.
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