Sunday, 16 March 2014

Elternversammlungen

von Christian:
Etwa zwei bis dreimal im Jahr halten die Schulen Elternversammlungen ab, die üblicherweise etwa am Mittag beginnen. Sie dauern meistens etwa drei bis vier Stunden, was mir jeweils viel Geduld abfordert. Inzwischen habe ich mich aber schon etwas daran gewöhnt und dank meinen wachsenden Rukwangali-Kenntnissen bekomme ich immer mehr mit. Das erste Foto ist an einer kleinen, ländlichen Primarschule entstanden. Das Haupttraktandum war die Wahl von Schulräten. Als Herausforderung hat sich gestellt, wie man eine Wahl veranstaltet, wenn die meisten Wähler/innen Analphabeten sind. Die Diskussion über den Wahlmodus, welche von einem Lehrer geführt wurde, dauerte etwa 40 Minuten. Als Durchbruch hat sich mein Vorschlag erweisen, Murmeln zu verwenden und diese zentral auf einem Tisch auf einen Zettel mit dem Kandidatennamen zu platzieren. Hinter jedem Zettel sass eine Lehrperson und wiederholte den Namen vor sich, sodass die Leute die Murmeln, relativ anonym im Gedränge auf einen der Kandidatenzettel ihrer Wahl platzieren konnten. 


Das zweite Bild entstand an einer ländlichen Sekundarschule, welche eigens für das Elternmeeting ein grosses Zelt gemietet hat. Als Gastreferenten wurden zwei Polizisten der Drogenabteilung und zwei Seargents der Abteilung Child- and Womenprotection eingeladen. Es ging unter anderem um den Drogenkonsum der Jugendlichen (Alkohol- und andere Drogen) diskutiert und über deren Folgen und Illegalität aufgeklärt. Die Schüler/innen der 10. Klasse waren am Meeting in der ersten Reihe anwesend und stellten Fragen über die Wirkungen. Die direkte und offene Art der Experten war eine Freude. Am Ende gab es eine kleine Safer-Sex Lektion. Ich traute meinen Augen nicht, als die Referentin Präservative auspackte sie unter Eltern und Schüler/innen verteilte und sie bat diese aufzublasen. Das diente dazu zu demonstrieren, dass diese einen wirksamen Schutz gegen Krankheiten und Schwangerschaft sind. Trotz hoher AIDS Rate ist das Sprechen über Sex noch immer ein Tabu hier, vor allem wenn verschiedene Generationen anwesend sind. Ich war schlicht und einfach überwältigt von diesem Meeting.


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