Saturday, 1 March 2014

Leben in Rundu

Liebe Blogleserinnen und Leser,

neben der Arbeit dürfen wir uns auch in einer fremden Kultur, Land mit unterschiedlichen Werten und Normen auseinandersetzen. Immer wieder gibt es Situationen, die uns zum Schmunzeln und Staunen bringen. Nun ein paar kleine Episoden von denen:

Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit laufe, komme ich in der Nähe vom Spital an verschiedenen Ständen von Strassenverkäuferinnen vorbei. Diese grüssen mich immer sehr freundlich und oft kaufe ich dort auch eine Kleinigkeit wie ein Fatcake (etwas wie ein kleiner Berliner ohne Marmelade) oder ein Guezli. Die Fatcakes werden hier in Massen gegessen, da sie sehr billig und auch nahrhaft sind. Zusammen mit einem traditionellen Getränk aus Weizen (ontaku oder oshikundu) ist dies oft die einzige Mahlzeit tagsüber für viele Menschen. Es gibt hier viele, die sich nur eine Mahlzeit leisten können. Dies ist dann oft  ein Mais (Pap) oder ein Mahangu (oshifima oder oshitihima) Porridge Gericht. Dazu gibt es ein viel Sauce (oft auch Päckchensuppe oder Sauce von Knorr) und evtl. etwas Fleisch.
Mahangu (pearl millet) ist eine typische Spezialität in Namibia. Das Getreide wächst hier im Norden und verträgt besser die Hitze als Mais. Mahangu muss zu Mehl verstampft (to pound) werden, was eine wahre Knochenarbeit ist und (deshalb?) meistens von Frauen getätigt wird. Das Mehl kann dann nach einem Reinigungsprozess zu einem Porridge gekocht werden. 

Mahangu in einem typischen geflochtenen Korb vom Kavango
Als ich wieder eines Morgens an einem dieser Stände vorbei kam bemerkte ich, dass mich ein kleines Mädchen von ca. 1.5 Jahren anlächelte. Da die kleinen Kinder hier sonst eher sehr scheu sind, war ich erstaunt und ging auf sie zu. Sie hat mich zuerst ganz scheu am Arm berührt und ist dann schnell zur Mutter gelaufen. Unterdessen hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt und immer wenn ich bei ihr vorbei gehe, lacht sie, kommt auf mich zu und will in den Arm genommen werden. Victoria hat sich so zu meinem persönlichen Morgenaufsteller entwickelt. Die Mutter spricht gottlob auch relativ gut Englisch und so können wir uns auch ein bisschen unterhalten.

Victoria, ihre Mutter und ein Gspändli


Meine zweite, spezielle Erfahrung handelt vom Essen: In Namibia gibt es einen ganz speziellen Spinat, der eigentlich mehr aussieht wie ein Ast mit Blättern als eine Bodenpflanze. Dieser wird Mutete genannt. Meine Recherchen zeigten mir, dass Mutete von der Hibiscuspflanze abstammt. Die Blätter schmecken leicht bitter, sind aber hervorragend zubereitet eine wahre Alternative zu Spinat. 
Also, da ich nur wenig Spinat auftreiben konnte, wollte ich diesen ein bisschen mit Mutete strecken. Gesagt, getan, an einem Marktstand kaufte ich drei Büschel Mutete. Die Marktfrau packte diese in eine Plastiktüte und überreichte sie mir. Auf meinem Rückweg wurde ich noch nie so oft lächelnd begrüsst und angefragt, ob ich wisse, was ich gekauft habe. Stolz gab ich dann zur Antwort, dass ich versuchen werde, Mutete zu kochen. Auch Frauen, die kein Wort Englisch konnten, lachten mich an und sagten freudig zu mir: "Mutete!" Mir wurde bewusst, wie speziell es für sie sein muss, dass eine weisse Frau versucht, ihre traditionelle Gerichte zu kochen. Ich glaube, sie fühlten sich geschmeichelt. 

Anmerkung: Im nächsten Laden sah ich dann aber Spinat und habe mich dann doch entschieden, meinen Mutete-Kochversuch zusammen mit einer einheimischen Frau zu machen. Leider kam es noch nicht dazu. Aber das Maratthon-Chicken mit Mutete und Mahangu sind Christian und mir von Bea und Eric versprochen worden. Gemeinsam wollen wir alles zubereiten und einen schönen Abend verbringen. 

Und dann haben wir ja noch unseren persönlichen Freund im Haus Bigler Wyss: Unser Kater Benji. Auch er bringt uns öfters zum Schmunzeln. Speziell wenn er in gemütlichen Posen sein Tagesschläfchen hält, halblebendige Vögel in unser Schlafzimmer bringt oder mit Christian sein Morgenturnen absolviert. Das heisst, Chritian macht Liegenstützen und Benji versucht, sich unter seinen Bauch zu schieben und dort ein Nickerchen zu machen. Ein echt lustiges Kerlchen, dieser Benji. 





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