Wednesday, 17 April 2013

Sibylles Besuch in der Buschklinik

Christian hat es mir ermöglicht, dass ich eine Klinik im Busch besichtigen kann. Diese Klinik liegt genau neben seiner Schule und wird von Christopher, einem Nurse, geführt. Er arbeitet von Montag bis Freitag und ist alleine zuständig für die Gesundheitsversorgung von einer sehr abgelegenen Gegend. Nur einmal im Monat kann er eine ärztliche Sprechstunde einberufen und die Patienten aufbieten, die einen Arzt benötigen. Sonst ist er für alles andere zuständig: Verschreibung von Medikamenten und deren Abgabe, Familienplanung, Schwangerschaftsuntersuchungen, Geburtsvorbereitung, Geburt, Impfungen, Malariaschnelltests, die Versorgung vom Kleinkind bis zum Erwachsenen bis hin zum betagten Menschen. Patienten mit grössere Krankheiten, Unfällen oder Notfälle überweist er ins Rundu State Hospital. Doch die Erstversorgung muss er machen. Ein Krankenwagentransport dauert auch seine Zeit, da die Klinik von Ncuncuni etwa 30 Kilometer von Rundu entfernt ist und nur über Schotterstrassen zu erreichen ist.
Wenn Christopher nicht mehr weiter kommt oder Fragen hat, stellt er diese telefonisch einem zuständigen Arzt.

Als ich in der Klinik in Ncuncuni ankam, erwartete mich Christopher schon gespannt und begrüsste mich herzlich. Er erzählte mir, dass er sich manchmal schon ein bisschen einsam fühle und nun den Austausch mit einer Berufskollegin wie mir,  sehr geniesse.
Voller Stolz zeigte er mir auch "seine" Klinik. Ein kleines Häuschen mit einem Behandlungsraum, einem Geburtsraum wo auch kleine chirurgische Wunden versorgt werden können, dem Medikamenten - und Medizinallager.
Klinik Ncuncuni

Behandlungsraum mit Christopher


Gebärsaal und chirurgischer Versorgungsraum
Medikamentenlager 
Speziell ist auch, dass im Kavango bis jetzt keine elektronische Datenerfassung stattfindet. Computer sind im Public Health Service nur für gewisse Berufsgruppen vorhanden. Auf den Abteilungen und auch im erweiterten Management der Pflegenden gibt es keinen Computer. Nur die "Pflegeleitung" des State Hospital hat einen PC. Doch wie wird jetzt die Patientenadministration und Krankheitsgeschichte erfasst? 
Jeder Patient bekommt ein Büchlein (3 Arten von Büchlein: Schwangerschaft, Geburt bis 16 Jahren, erwachsene Personen), das bei jedem Arztbesuch oder jeder Spitalkonsultation mitzubringen ist. In dieses Büchlein werden alle Diagnosen und Therapien, Medikamente, Operationen, Impfungen, Abklärungen oder Untersuchungen eingetragen. Wenn ein Büchlein vollgeschrieben ist, wird das nächste ausgefüllt und an das vorherige angeheftet. 



Teilweise ist es schwierig, das Geschriebene zu entziffern oder die Farbe der Büchlein zu erkennen. Diese Büchlein sind oft Regen und Sand ausgesetzt oder werden nicht vorsichtig genug aufbewahrt. Dieses System hat sich jedoch wegen seiner Einfachheit für ein Land wie Namibia recht bewährt. Die meisten Patienten wissen auch, dass sie das Büchlein in die Klinik oder ins Spital mitbringen müssen. 
Ein Besuch in einem Gesundheitszentrum kostet 4 Namibien Dollar (inklusiv Medikamente), eine Konsultation in einem Spital 8 Nam$. So ist für die meisten Menschen in Namibia die Gesundheitsversorgung erschwinglich und durch das System der verschiedensten 
Kliniken auch gewährleistet.   


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