Die Armut der Kinder vor Augen geführt zu bekommen, bedrückt mich mich immer von neuem. Verlumpt, barfuss oder nur mit Socken an den Füssen kommen sie zur Schule und einige leiden offensichtlich auch an Hunger. Diese Armut ist allgegenwärtig und bildet ein grosser Kontrast zum Reichtum einiger weniger Leute. In solchen Momenten tut es gut, sich vor Augen zu führen, dass Anstrengungen unternommen werden, diesen Zustand zu ändern. In diesem Beitrag möchte ich das sogenannte "Namibian School Feeding Programme" vorstellen.
Bereits vor 20 Jahren, direkt nach dem Beginn der Unabhängigkeit Namibias, gründeten die UNICEF zusammen mit der Regierung Namibias ein Programm mit dem Ziel, die Bildungschancen für Kinder aus ärmlichen Verhältnissen zu erhöhen und den Hunger in trockenen Gegenden zu bekämpfen. Das Programm sieht vor, dass mangelernährten Kindern an ausgesuchten Schulen eine Mahlzeit verabreicht wird. Solche Schulen werden mit Getreide versorgt, wofür eine grosse Logistik notwendig ist, gerade dann, wenn sie weit abgelegen sind. Hier im Kavango erhalten die Schulen entsprechend der Schülerzahl Maisgetreide, das mit Mineralien und Vitaminen angereichert wird in Säcken von 12.5 kg Gewicht. Es gibt Richtlinien, welche vorschreiben, dass 75 % des Maises lokal produziert werden muss und nur in Ausnahmefällen importiert werden darf. Das Getreide wird in einem Raum der Schule gelagert. Die Schulleitung und jemandem aus der Gemeinde hat nun die Verantwortung, der Bestand der Säcke zu Verwalten und den Köchinnen herauszugeben.
Frauen aus der Gemeinde kochen täglich vor der grossen Vormittagspause in sogeannten Potjees den Mais zu einer Art Porige. Besuche ich die Schulen an den Vormittagen, nehme ich oft schon von weitem den Geruch des Maisbreis wahr. Gleich neben der Schule rühren die Frauen in den Töpfen in welchem der Maisbrei wabert und halten das Feuer mit mitgebrachtem Holz am lodern. Offenbar scheint es kein grosses Problem zu sein, Köchinnen zu finden, da sie selbst mitessen können und pro Kochtag drei Portionen für Familienmitglieder nach Hause nehmen dürfen. Die Richtlinien des Programms schreiben die Grösse der Portionen vor. Dass Richtlinien nicht immer eingehalten wurden, wird auch durch die Aufschrift "Not for Sale" deutlich, die nun auf den Säcken steht. In der Pause stehen die Kinder Schlange vor den Töpfen und essen die Mahlzeit in ihren mitgebrachten Tellern. An mehreren Schulen habe ich gesehen, dass die leeren Säcke aufgeschnitten und zu Teppiche zusammengenäht werden und in Räumen, wo Stühle fehlen, als Sitzunterlage verwendet werden. Perfektes Recycling also.

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