Wednesday, 3 April 2013

Rundu State Hospital

Mehrfach wurde ich, Sibylle, gefragt, ob ich ein bisschen über meine Arbeit berichten kann. Dies hole ich nun gerne nach. Leider ist es mir aber aus Datenschutzgründen nicht möglich, Bilder auf den Blog zu stellen.

Kurz zur Einleitung die Einteilung der Kliniken und Spitäler in Namibia:
Das Gesundheitssystem in Namibia wird vom Ministerium für Gesundheit und Soziale Dienste (englisch Ministry of Health & Social Services) koordiniert und überwacht. Dieses gliedert sich in regionale (für 13 Regionen) Bezirke. Der Betrieb der staatlichen Krankenhäuser und Kliniken unterliegt dem Ministerium. Die staatlichen und kirchlichen Gesundheitseinrichtungen werden absteigend nach ihrer Versorgungsstufe in die Kategorien A bis E eingeteilt:

•   Klasse E – Kliniken
                    - Kleinkliniken, stellen die Minimalversorgung der Bevölkerung sicher und beraten diese 
                      in Gesundheitsfragen; mindestens ein Gesundheitsarbeiter ist vor Ort
                    - Großkliniken, stellen die Grundversorgung der Bevölkerung sicher und beraten diese in    
                      Gesundheitsfragen; mindestens eine Krankenschwester ist 40 Stunden/Woche anwesend; 
                      Notfalleinrichtung durchgehend; mindestens drei Betten


•   Klasse D – Gesundheitszentren, erfüllen die Voraussetzungen einer Klinik und verfügen zudem um 
                       Röntgengeräte, ein Labor sowie ein Operationssaal
                     - Ländliche Gesundheitszentren haben mindestens zehn Betten

                     - Tagesgesundheitszentren liegen in größeren Ortschaften, haben keine Betten, werden  
                        jedoch regelmäßiger von einem Arzt aufgesucht


•   Klasse C – Distrikt-Krankenhäuser erfüllen alle Aufgaben von Kliniken und Gesundheitszentren        
                       und unterstützen diese. Sie verfügen über alle Einrichtungen um einfache Krankheiten 
                       durchgehend zu behandeln und diesen vorzubeugen, eine Apotheke, ständig anwesende 
                       Ärzte und Krankenschwestern sowie die Ausbildung der Gesundheitsarbeiter. Zudem  
                       müssen diese über eine Intensivstation verfügen.


•   Klasse B – Regionalkrankenhäuser erfüllen alle Aufgaben der untergeordneten Klassen und 
                       spezialisierte Gesundheitsdienste


•   Klasse A – Nationale Krankenhäuser sind die höchste Stufe der Krankenhäuser in Namibia. Diese 
                       Stufe wird nur vom Zentralkrankenhaus Windhoek erfüllt. Hier können 99 % aller 
                       Krankheitsfälle behandelt und unter anderem Operationen am offenen Herzen 
                       durchgeführt werden.

Das State Hospital von Rundu ist eine Klinik der Kategorie B und verfügt über 405 Betten. Es versorgt als grösste, spezialisierte Klinik (Orthopädie, Chirurgie, Maternité, Kinderklinik, Tuberkulosenstation, allgemeine Medizin) die Bevölkerung von der Kavangoregion und dem Caprivistreifen. Diese beiden Regionen sind flächenmässig etwas grösser als die gesamte Schweiz. Damit wird auch klar, dass die Wege teilweise für spezialisierte Behandlungen recht herausfordernd sein können. Doch dieses Problem wurde erkannt und es gibt organisierte Patientenbus-Transporte von Klinik zu Klinik, von Region zu Region. Es ist natürlich ein bisschen unangenehm wenn ein Patient mit zum Beispiel einem Knochenbruch für 4 bis 8 Stunden in einen Bus verfrachtet wird und in eine spezialisierte Klinik fahren muss. Auch gibt es Patienten-Busse direkt vom Rundu State Hospital nach Windhoek, wenn  Behandlungen oder Operationen nötig werden, die nur in Windhoek durchgeführt werden können. Diese Fahrt dauert aber auch 7 bis 8 Stunden. Während der Fahrt werden alle Patienten von einer Pflegefachfrau (Nurse), einem Pflegefachmann (auch Nurse) betreut.  Diese Transporte finden 2 Mal wöchentlich statt. 

Das Rundu State Hospital hat stark mit Fachpersonalmangel bei den Ärzten und den registrierten Pflegenden zu kämpfen. Es fehlt bei beiden Berufsgruppen die halbe Belegschaft!. Die Ausbildung der Ärzte und Pflegenden findet bis anhin zentral in Windhoek statt. Viele der gut ausgebildeten Gesundheitsmitarbeitenden nutzen nach der Ausbildung die Chance zu einem Karrierensprung im Ausland oder bleiben in Windhoek hängen. Ärmere Regionen wie der Kavango oder der Caprivistreifen verlieren so ihr Gesundheitspersonal. Daher werden viele Pflegende und Ärzte aus den umliegenden Ländern wie Angola, Botswana, Simbabwe, Kongo, Sambia und mit etwas Glück auch von Südafrika rekrutiert. Leider bleiben die aber nicht lange oder haben langwierige administrative Prozesse zu durchlaufen und sind auch teilweise mehr auf das "Geldverdienen" fixiert als eine gute Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. (Ausnahmen gibt es natürlich immer). Auch gibt es immer wieder Europäer oder Russen, welche hier einen Einsatz leisten. Diese bleiben aber leider auch nicht lange. 
Lange Rede, kurzer Sinn: Das Rundu State Hospital ist ein Spital, das noch in seiner Entwicklung steht und stark um finanzielle, materielle und personelle Ressourcen kämpft. 


Obwohl. es gibt immer wieder Überraschungen:  Das State Hospital von Rundu hat 4 relativ neue Beatmungsmaschinen und auch auch zwei Dialysegeräte. Davon profitieren momentan 5 Personen in der Kavangoregion. Früher mussten die alle 3 mal wöchentlich nach Windhoek transportiert werden. Spannend sind natürlich die Krankheitsbilder: Tuberkulose (ein sehr grosses Problem), Lepra (gottlob nicht so verbreitet, kommt aber vor), HIV/AIDS (ein riesen Problem!), Malaria, Schlangenbisse, Krokodilbissfleischwunden (wenn man das Krokodil überlebt…) und natürlich auch Krankheiten und Operationen wie bei uns. Leider gibt es auch viele mangelernährte Kinder und alte Menschen in einem schlechten Allgemeinzustand. 

Für alle Menschen ist natürlich die Chance eine schwere  Krankheit oder einen "Frühstart" ins Leben zu überleben viel kleiner als bei uns. Trotzdem gelingt es auch komplexere, schwere Krankheiten, erfolgreich zu therapieren. 



Ich arbeite mich in der Abteilung für Infektionskontrolle, Qualitätssicherung und Weiterbildung von registrierten Pflegefachpersonen ein. Ich werde in den nächsten 3 Jahren helfen, dieses Departement aufzubauen und die Aufgaben und Ziele zu definieren. Noch warte ich auf die Anerkennung meines Diploms und darf darum noch nicht auf den Abteilungen arbeiten. Aber auch schon beim Beobachten sehe ich viel!! Ich hoffe aber, das ich mich bald auch auf den Abteilungen nützlich machen kann. 









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