Saturday, 23 March 2013

schwierige Kommunikation

Unter dem Baum findet die Elternversammlung statt.
Das Gebiet ausserhalb Rundus ist ziemlich dünn besiedelt. Bei Fahrten abseits der Hauptstrassen fährt man durch Buschland, wo ab und zu Maisplantagen und einfache Hütten auftauchen. Im Schulbezirk Ncuncuni, der ein Gebiet der Grösse des Kanton Zürichs umfasst, gibt es 25 Schulen. Die Grösste liegt in Rundu mit 1500 Schüler/innen. Die Schulen im Busch bestehen oft nur aus einer einfachen Hütte. Dort werden mehrheitlich nur die Klassen 1 bis 4 geführt mit weniger als total 40 Schülerinnen. Diese Schulen sind erst nach einer mehrstündigen Fahrt auf Schotter- beziehungsweise Sandpisten zu erreichen. Die Herausforderungen in diesen abgelegenen Schulen sind für Lehrkräfte und Schülerinnen enorm, denn Kommunikationswege sind nicht vorhanden. Das heisst kein Telefon, kein Handyempfang und kein Internet. Das hat zur Folge, dass es enorm schwierig ist, motivierte Lehrkräfte zu finden, die dort unterrichten und wohnen wollen. Denn ein Pendeln zwischen einem möglichen Wohnort in Rundu und diesen Siedlungen ist wegen der zu grossen Fahrtdauer nicht möglich, auch wenn jemand ein Auto besitzen würde.
Die Rolle der Inspektorin besteht auch darin, den Betrieb solcher Schulen sicherzustellen und ab und zu Besuche bei Eltern, Schülerinnen und Lehrkräften abzuhalten. Ein solcher Besuch kündigt die Inspektorin über das Radio NBC in Rundu in der Art an: "Die Inspektorin des Ncuncuni Circuits besucht am nächsten Mittwoch die Schule X. Sie bittet das Elternkomitee um 10 Uhr in die Schule zu kommen". Natürlich in der Hoffnung, dass dies gehört wird. Das klappt in grösseren Gemeinden meistens, wo Radios vorhanden sind. In kleineren aber oft nicht, wie die Erfahrung von letzter Woche gezeigt hat. So fuhr die Inspektorin in die umliegenden Siedlungen und bat  die Menschen, die sie antraf, zur Sitzung zu kommen. Um ca. 12.30 Uhr war der Platz im Schatten unter dem Baum dann langsam mit etwa 20 Frauen und wenigen Männern bevölkert, und das Meeting konnte nach einem Gebet beginnen. Erstaunlich offen wurde darüber diskutiert, dass Lehrer/innen nicht zur Arbeit erscheinen und ihre Kinder fast nichts lernen würden. Deshalb  sei es besser, die Kinder, angesichts der momentanen Trockenheit in Namibia, zu Hause zu behalten um Wasser zu holen. Ein Blick in die Runde zeigte einige stillende junge Mädchen von vielleicht 15 Jahren, die der Inspektorin zuhörten. Sie versuchte ihnen zu erklären, dass ihre Zukunft auch von der Bildung ihrer Kinder abhänge. Dass sich die Situation nach einer solchen Sitzung nachhaltig ändert, ist angesichts der vorherrschenden Probleme schwer vorzustellen.
Häuser im Aussenbezirk von Rundu. (Sauyemwa)

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