Der Stützpunkt der Inspektorin und mir ist das so genannte Circuit Office, das in unserem Circuit 30 km ausserhalb von Rundu liegt. Oft fahren wir frühmorgens (um 7.00 Uhr!) los und erreichen es nach 8 Uht. Die lange Fahrzeit ist einerseits der schlechten Schotter-/Sandstrasse geschuldet und andererseits der ungeplanten Verzögerungen auf der Fahrt dahin. Meistens sitzt Frau Hausiku am Steuer des Autos und ich auf dem Nebensitz. (Seit letzter Woche ändert dies manchmal, da ich nun die Berechtigung zum Fahren des Government Cars erhalten habe, nachdem ich mich einer eingehenden Fahrprüfung in Rundu unterziehen musste. Es wurde geprüft, ob ich als rechtsfahrender Europäer im Linksverkehr bestehen kann und ich zu Dingen wie Blinken, Parken, Beachten des Verkehrs und Rückwärtsfahren fähig bin. Das Punktetotal ergab knapp gute Fahrkünste (44 von 50 Punkten), womit ich nun zum Fahren der Regierungsautos berechtigt bin, was vom Bildungsdirektor mittels Unterschrift besiegelt wurde.)
Wir verlassen Rundu auf der Hauptstrasse und biegen danach in die Wellblechpiste ein, die durch grüne Wiesenlandschaft mit Busch und Baumbeständen und kleinen Maisfeldern führen. Ab und zu begegnet man Menschen, meistens Frauen, die Wasserkanister oder gesammeltes Brennholz auf dem Kopf durch die Gegend tragen. Frau Hausiku kennt diese Frauen oft, da sie hier aufgewachsen ist und es scheint, dass alle irgendwie miteinander verwandt oder bekannt sind. Für diese Leute sind wir eine willkommene Mitfahrgelegenheit. So halten wir öfters mal an und die Frauen öffnen hinten die geschlossene Ladefläche, steigen ein, und weiter geht die Fahrt.
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| Frau Hausiku, Inspektorin, |
Letzte Woche standen an der Strasse etwa 8 Mädchen im Schulalter. Frau Hausiku roch den Braten sofort: Das sind Schulschwänzerinnen! Bevor sie sich hinter dem nächsten Busch verstecken konnten, stand sie neben den Mädels und der sie begleitenden älteren Dame und redete auf Rukwangali auf sie ein. Es wurde diskutiert und lamentiert und schliesslich einigte man sich, dass alle auf der Ladefläche Platz nahmen und wir sie in die nahe Schule zum Schulleiter fuhren. Ich erfuhr, dass sie begleitet von einer Mutter in die Stadt wollten, um Brennholz zu verkaufen. Das passte der Inspektorin gar nicht, vor allem, da das Thema Absentismus am Elterntag von letzter Woche eingehend besprochen wurde und die Elternratsvorsitzende, eine gesetzte Dame von etwa 60 Jahren, auf den Wert der Bildung vor allem der jungen Frauen aufmerksam machte. Die Traditionen in ihren Dörfern würden sich ändern und Frauen sollten Ausbildungen anstreben, um ihre Familie versorgen zu können. Sie wolle endlich mal eine einheimische Lehrerin oder eine Pflegerin in der Schule und Klinic angestellt sehen. Offenbar hat die Botschaft noch nicht alle überzeugt und Prioritäten werden anders gewichtet.
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| Unterricht in einfachen Pfahlhütten mit Rieddach |
Zwei Tage später starb ein Onkel von Frau Hausiku. Auf der Hinfahrt zum Office wurden Verwandte gefragt, ob sie eine Ziege für das Begräbnis spenden würden. Eine Zusage kam sofort. Man einigte sich, dass wir sie auf der Rückfahrt mitnehmen würden. So hielten wir bei einem kleinen Weiler an und ein Mann führte eine Ziege am Strick zum Auto, und verlud sie ins Auto. Die Rückfahrt in die Stadt wurde vom Mäckern aus dem Fonds begleitet. Ob sie ahnte, dass bald ihre letzten Stunden schlägt?
Das sind Beispiele von Begebenheiten einer Woche, die erklären, warum unser Arbeitsweg mitunter etwas länger dauert.


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