Schon wieder sind zwei ereignisreiche Wochen vergangen. Bis ich richtig im Spital arbeiten darf, sind noch ein paar Hürden zu nehmen. Doch alles der Reihe nach.
Im Ausreisekurs im Dezember musste ich so schnell wie möglich meine ganzen Diplome und Dokumente inklusive Zeugnisse beglaubigt und in Englisch nach Namibia schicken. Es ging darum, sicher zu stellen, dass ich in Namibia als Pflegefachperson arbeiten darf. Als ich dann Mitte Februar im Spital begann, wurde mir mitgeteilt, dass das Management der Pflegenden noch keinen Bescheid von Windhoek bekommen habe und ich darum noch nicht berechtigt sei, überhaupt einen Fuss ins Spital zu setzten. Nach einem klärenden Gespräch mit dem Koordinator bekam ich die Erlaubnis, die Pflegenden im Management und in der internen Weiterbildung zu begleiten und an Sitzungen teil zu nehmen. Es war mir aber nicht erlaubt, Patienten zu pflegen und behandeln oder mich länger auf einer Abteilung aufzuhalten. Gut, das war auch nicht weiter schlimm, da hier die Aufgaben der Pflegenden sehr verschieden sind und ich auch Zeit brauche, um Abläufe und Handlungen zu verstehen. Sehr aufwändig ist auch die ganze schriftliche Dokumentation für die Pflegenden. Da übertreffen sie uns in der Schweiz bei weitem. Auch werden sehr oft Abkürzungen für jegliche Art von Krankheiten und Medikamente verwendet. Diese zu entschlüsseln ist nicht immer einfach, da mein Fachenglisch noch nicht derart entwickelt ist. Ich durfte aber unterdessen die vielen "Guidelines" vom Ministry of Health und Social-Service studieren. Diese sind sehr spannend und sehr ausführlich geschrieben. Es werden verschiedenste Behandlungabläufe, Therapien und Untersuchungen für zum Beispiel Tuberkulose, Malaria, HIV/AIDS oder Mangelernährung bei Kindern festgelegt und alle Aktöre im Gesundheits-wesen müssen sich daran halten. So konnte ich mir schon spezifisches Fachwissen aneignen.
Vor einem Monat bekam ich dann Bescheid, dass ich nicht berechtigt bin, mich als Pflegefachfrau in Namibia zu registrieren, da ich keine Ausbildung als Hebamme habe. Meine Vorgesetzten versuchten daraufhin mit einem Schreiben, dass ich wenigstens eine Teilregistrierung oder Autorisierung als Pflegefachfrau bekommen könnte.
Zur Information: Die Ausbildung als Pflegende dauert 3 Jahre (Kinder und Erwachsenenpflege) und das vierte Jahr ist für die Hebammentätigkeit ausgerichtet. Dieses System macht in Namibia Sinn, da eine Nurse in einer Klinik alle Patienten und Geburten handhaben muss, da es viel zu wenig Pflegende oder Ärzte in Namibia gibt und die Distanzen zwischen den Spitälern riesig sind.
Letze Woche wurde mir nun mitgeteilt, dass ich für dies Teilautorisierung noch eine Prüfung in Windhoek abzulegen habe. Sie wollen prüfen, ob ich genügend Wissen für eine Nurse habe. Es wäre echt anmassend von mir, ohne seriöse Prüfungsvorbereitung und ohne zu Wissen was für Inhalte sie verlangen, die Prüfung zu absolvieren. Dies zu klären bedarf aber wohl ein persönliches Gespräch mit dem Council of Nurse und so werde ich nächste Woche nach Windhoek reisen und dies klären. Was aber noch nicht heisst, dass ich überhaupt die Prüfung bestehe. In ihrem Schulsystem wird sehr viel auswendig gelernt und vorgegebene Antworten müssen nachgesagt werden. In kürzester Zeit wird es für mich nicht möglich sein, Bücher auswendig zu lernen und genau zu sagen, wie das hier in Namibia läuft. Ich habe nur eine Chance, wenn ich die Antworten von meiner Erfahrung ableiten kann.
Aber zuerst gehe ich nun nach Windhoek und versuche die Bücher zu kaufen, mit dem Nurse-Council zu sprechen und ein bisschen Stadtatmosphäre zu geniessen.
Bei mir bleibt es also spannend und ich muss noch mit vielen offenen Fragen leben.....
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