Saturday, 19 October 2013

Wir bauen aus - Teil 1

von Christian
Die Sonne brennt vom Himmel und die Temperatur klettert auf 40 Grad Celsius. Von Tag zu Tag ziehen mehr Wolken auf, die Vorboten der Regenzeit, die alle herbeisehnen. 

Seit ein paar Wochen tragen wir die Idee mit uns rum, in unserem Garten ein traditionelles Grasdach bauen zu lassen, das Schatten spendet und unter welchem wir in der Regenzeit im Trockenen sitzen können. Auch mit Moses (siehe Bild), unserem Teilzeitgärtner haben wir darüber gesprochen und ihn um Rat gefragt. Seine Antwort: "No problem, I will organize everything". So setzten wir uns hin, legten die Masse fest, planten das Herbeischaffen der Hölzer durch seinen Bruder, das Gras von seinem Schwager ausserhalb von Rundu. Zudem versprach er einen Chefhandwerker zu organisieren, der sich gut mit dem Bau von Grasdächern auskenne. Dann überschlugen wir die Kosten und fanden, dass das erschwinglich sei. Dieser Bericht handelt nun von den Arbeitsschritten, welche bis anhin geleistet wurden. 

Moses Bruder, Paulus, schaffte am Montag Abend die Hölzer und feinen Äste für den Unterbau des Grasdaches auf seinem Eselskarren herbei. Majestätisch schritten die Esel durch das Törchen zu unserem Haus. Für Mensch und Tier gab es kühles Wasser zu trinken. 
Der Eselskarren inmitten unseres Wohnquartiers blieb natürlich nicht unentdeckt. Die neugierigen Nachbarsmädchen kamen vorbei und genossen die Abwechslung. Eigentlich ist es nichts Unge-wöhnliches, Tiere durchs Quartier laufen zu sehen. Einmal sind es führerlose Pferde, ein einzelner Esel der morgens in die eine Richtung und abends wieder zurück läuft, und schon mehrmals zottelte eine Herde Ziegen und Rinder an unserem Haus vorbei. Es ist uns rätselhaft, ob sie sich verlaufen haben oder ein bestimmtes Ziel verfolgen.
Am Donnerstag, nach der Arbeit, fuhren wir zu dritt (Moses, Paulus und ich) am Kavango entlang gegen Westen. Am Strassenrand begegneten wir vielen Männern, die Fische in die Höhe hielten und diese zu verkaufen versuchten. An gewissen Orten, (einem ausgetrockneten Fluss oder unter einem grossen Baum) sahen wir Ansammlungen von Menschen, die auf etwas zu warten schienen. Moses sagte mir, dass die Leute auf das Auto mit dem monatlichen Sozialgeld warteten, welches Erwachsenen Bar ausbezahlt wird, welche für Waisenkinder sorgten.. 

Bei den Verwandten von Moses kauften wir 50 Bündel Gras, die wir mit Müh und Not in und und auf unser Auto luden und festzurrten. Nachher ging es in gemütlichem Tempo zurück nach Rundu.

Heute ging nun die Arbeit vor Ort los. Um 7 Uhr früh standen Moses, sein Bruder und Tate (älterer Herr) Johannes, der Chefbaumeister, vor der Tür. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es an die Arbeit. Ich bekam den Auftrag, Draht und Nägel einzukaufen. Danach ging es flott voran und in brütender Hitze wurden die Hölzer und Äste für den Dachstock zugeschnitten und vernagelt. Immer wieder wurde ich aufgefordert den Fortschritt der Arbeiten mit der Kamera festzuhalten, damit sie eine Erinnerungen an ihre gemeinsame Arbeit haben.

Seit dem frühen Abend ist die Holzarbeit zu Ende und stolz präsentierten die 3 Herren ihr Werk. Im blauen Overall der Chef, den die beiden Brüder ehrfurchtsvoll mit "Papa" anreden. Leider spricht er kein Wort Englisch, was die Kommunikation etwas erschwert. Ich verstehe aber, dass die Stimmung prächtig ist und sie unser Essen sehr schätzen. Moses ist total angetan von den Handwerksfähigkeiten von Tate Johannes und sagt mir immer wieder: "Oh, that Man knows how to build a house perfectly!". Und es ist wirklich faszinierend mit welcher Hingabe und Perfektion die richtigen Äste für die richtige Stelle ausgesucht und zugeschnitten werden. 

Das ist ein guter Grund auf sein Handwerk und seine Leistung stolz zu sein, oder nicht?

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