Saturday, 1 February 2014

Unverständliches....

Von Sibylle

liebe Bloggleserinnen und Blogglesers,

am 2. Februar 2014 ist es so weit, wir sind seit einem Jahr in Namibia. In diesem Jahr ist so viel interessantes und schönes geschehen, dass wir jederzeit überzeugt waren und sind, den richtigen Entscheid getroffen, und die Herausforderung Namibia angenommen zu haben. Natürlich gab es in diesem Jahr auch viel Unverständliches und Trauriges. In diesem Blogg möchte ich nun diese Dinge thematisieren. Augenblicke, die mich hilflos und manchmal auch wütend machen....
heute morgen in unserem Garten

Arbeiten im Rundu State Hospital: 

Unterdessen habe ich mich voll ins Management Team integriert und durfte schon die ersten beiden Weiterbildung zum Thema "Critical Thinking" halten.
Der Alltag im Spital kann mit einem von unseren verglichen werden. Zuerst gibt es ein Management-Meeting, wo die Patientensituationen auf den Abteilungen, die Verteilung von Personal und sonstige Probleme besprochen werden. Nachher arbeitet jede oder jeder an seinen Aufgaben. Nur die Probleme sind hier doch ein bisschen andere.....

Ein grosses Problem sind die Überzeiten, da nur etwa 60 Prozent der budgetierten Stellen besetzt sind. Deswegen müssen die Nurses Überzeit arbeiten. Leider nutzt das Personal diese Tatsache aus. Es kommt vor, dass sich Angestellte krank melden aber gleichzeitig auf einer anderen Station arbeiten, was dann als Überzeit gilt. Wichtig zu wissen ist, dass Überzeiten besser bezahlt werden als der eigentliche Lohn. Seit diesem Jahr können sich aber die Pflegenden nicht mehr über den Lohn beklagen, da er massiv angehoben wurde. Im Vergleich zu anderen Berufen bekommen sie nun einen angepassten Lohn. Zu erklären ist dieses Verhalten teilweise mit der Tatsache, dass eine Person für die ganze Grossfamilie aufkommen muss, weil sie als einzige eine fixe Arbeitsstelle hat. Dies ist 50 % Arbeitslosigkeit natürlich oft der Fall.
Solche Themen besprechen wir fast jeden Morgen in unserem Meeting. Statt endlich genaue Vorschriften bezüglich Überzeit gemacht werden oder mehr Personal rekrutiert wird, heisst es einfach vom Ministry: "Wenn ihr jetzt nicht weniger Ueberzeit macht, bezahlen wir diese nicht mehr aus. " 

Ein anderes Problem sind die fehlenden materiellen Ressourcen. So bekamen wir letzen Freitag einen verzweifelten Anruf von der chirurgischen Abteilung, ob wir noch Infusionsbesteck haben, da es auf allen Abteilungen viel zu wenig gibt. Erschrocken kümmerten wir uns um dieses Problem und riefen sofort unseren Medical Store an, ob noch Infusionsbestecke an Lager seien. Diese teilten uns ziemlich trocken mit, dass diese seit längerer Zeit nicht mehr bestellt werden können. Leider ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren im Spital nicht immer die Beste. So hat auch der Store dieses Problem niemandem mitgeteilt, aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit? Auch andere Spitäler in der Umgebung teilten uns auf unseren Anruf mit, dass sie zu wenig Infusionsbesteck haben oder ein Spital meldete uns, dass sie längst abgelaufenes Infusionsbesteck verwenden würden. Unterdessen haben auch die Ärzte reagiert und haben im zentralen Medical-Store in Windhoek nachgefragt, ob noch Infusionsbesteck in die Spitäler geliefert werden können. Diese verneinten dies und rechtfertigten sich u.a. man müsse zuerst regeln, welche Firma die Ausschreibung erhält, um es zu produzieren und zu liefern, und so lange gäbe es keine Lieferungen mehr. Das Ärzte und Pflegenden meinen, dass korrupte Praktiken und Inkompetenz eine grosse Rolle bei diesem Problem spielen.
Auf die Nachfrage, ob die Spitäler Bestecke bei privaten Anbietern bestellen können, wurden sie darauf hingewiesen, dass dies nicht erlaubt sei. 
Am Freitag-Meeting mit den Ärzten und Pflegenden kam dann von einem Anästhesisten die Frage auf, wie er sich verhalten solle, wenn er einem Patienten mit akuten Blutungen keine lebensrettende Flüssigkeit verabreichen könne. Die Antwort lautet: Schreibe in die Akte des Patienten: "Wegen fehlendem Infusionsbesteck in ganz Namibia konnte keine lebensrettende Flüssigkeit verabreicht werden. (Nachtrag: Alle Gründe für Todesfälle im Spital müssen dem Ministry of Health gemeldet werden.)

An anderes grosses Problem waren fehlende Blutkonserven um die Weihnachtszeit. Patienten mit Blutarmut (gibt es viele in Namibia) oder mit akuten Blutungen konnten keine Blutkonserven verabreicht werden, da es in Namibia viel zu wenig gab. Auch mussten viele wichtige Operationen verschoben werden. 
Gottlob hat aber hier die Regierung reagiert und hat nun erweiterte Blutzentren (um Blut zu spenden) im ganzen Land angeordnet. Nun können auch in anderen Landesteilen und nicht nur in Windhoek Blut gespendet werden. Das Blut wird aber wieder zentral in Windhoek getestet und verarbeitet. Leider dauert dieser ganze Aufbau noch ein bisschen. 

Wie zu sehen ist, gibt es im Gesundheitswesen von Namibia noch viel zu tun. 

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