
Ja, liebe Freunde, auch wir haben ab und zu Ferien nötig, auch wenn wir da wohnen, wo andere Ferien machen. Doch unser Alltag kann manchmal ganz schön anstrengend sein, sodass wir uns auf eine Woche mit anderen Eindrücken freuten. Unser Ziel war der Etosha Nationalpark, der nicht weit von Rundu liegt, vorausgesetzt, man betrachtet 400 Kilometer als kurze Strecke, was die meisten autofahrenden Namibier tun. Eine Schwierigkeit wartete noch vor der Abfahrt auf uns, da unser Kater Benji unbedingt auf dem Fahrersitz mitfahren wollte, und sich nur ungern davon abhalten liess. Diese einzige Herausforderung unserer Ferien gemeistert, fuhren wir unter lautem Protestgemiaue von Rundu los.
Nach einem Einkaufs- und Schwimmhalt in Tsumeb fuhren wir in Richtung Etosha, wo wir auf einem Zeltplatz in der Nähe des Namutoni Gates drei wunderschöne und erholsame Tage verbrachten. Jeden Abend prasselte das Feuer, angeheizt vom triefenden Fett unserer Koteletten, welche nebenbei himmlisch schmeckten. In der nahen Lodge konnten wir den Ausblick auf ein Wasserloch geniessen, wo wir Zebras, grosse Echsen, Schakale und lustig in Achtungsstellung gehende Erdmännchen beobachten konnten.
Bei unserem ersten Ausflug in die Etosha sahen wir grosse Vögel, die wir vorher noch nie gesehen hatten.
Da gab es zum Beispiel diese Gesellen, die durch ihren aufwändigen Kopfschmuck auffielen und etwas staksig durch das Gras spazierten. Unser Vogelbuch gibt für sie die Bezeichnung Secretary Bird an, wohl weil sie etwas ungelenk dahin staksen und formell gefiedert wirken.
Kurz danach begegnete uns ein weiterer Vogel im Gras, den wir aber trotz intensiver Recherche nicht identifizieren konnten. Mit seiner Haube am Hinterkopf, dem roten Schnabel und dem weissen Kopffleck, sollte das doch einfach sein, so dachten wir - vergeblich. Haben wir da eine bisher unbekannte Gattung entdeckt, die bald nach uns benannt werden wird? Wir schlagen schon mal eine mögliche Bezeichnung vor: "confuzius biglerus ". Da wir aber nicht davon ausgehen, dass dieser Vogel noch keinen Namen trägt, sind froh um sachdienstliche Hinweise, was uns weiterhilft dieses Geschöpf zu identifizieren.

Am ersten Wasserloch eingetroffen, wartete schon ein Dutzend Giraffen darauf, ihre Saufkunst vorzuführen und sich dabei fotografieren zu lassen. Das ist auch wahrlich ein besonderes Spektakel und gar nicht einfach, wenn man mit so überdimensioniert langen Beinen ausgestattet ist. Glücklicherweise bietet der Sand einen guten Halt, was die Gefahr mindert ganz in den Spagat weg zu knicken und glitschiges Eis stellt in der Etosha wohl eher die Ausnahme dar.

Am Abend nach unserem ersten Ausflug in die Etosha verliessen wir den Park durch das Gate und fuhren durch das Farmland zum Zeltplatz zurück. Wir sprachen über die vielen tollen Beobachtungen aber auch die Enttäuschung, dass unser Wunsch endlich Löwen oder Leoparden zu sehen, noch immer nicht in Erfüllung gegangen war.

Doch plötzlich stand vor uns ein Auto, dessen Fahrer aufgeregt in Richtung eines nahen Baumes zeigte, wo ein riesiger Löwe seine Siesta hielt. Wir konnten es kaum fassen, hatten wir doch an diesem Ort wahrlich nicht damit gerechnet Löwen zu sehen. Nun erinnerten wir uns auch an das Schild auf dem Farmland, das besagte, dass man das Auto nicht verlassen sollte. wegen wilden Tieren auf dem Areal. Als auch noch zwei andere Autos angefahren kamen, wurde es dem müden Gesellen zu bunt und er erhob sich und schlenderte lässig zum nächsten Baum, wo er sich erneut niederliess. Diese Sicherheit und Unbekümmertheit kann man wohl nur zur Schau stellen, wenn man weiss, dass man in der Regel auf der Gewinnerseite steht.

Am nächsten Morgen fuhren wir gleich bei Sonnenaufgang vorbei auf dem Weg zum Park an einer Hyäne vorbei. Es dauerte auch nicht lange, als wir am Wegrand eine Gruppe von Löwinnen und Jungtieren begegneten. Das hohe Gras verstellte uns etwas die Sicht, aber wir glauben 6 Tiere gesehen zu haben. Es schien, als ruhten sie sich von der nächtlichen Jagdstrapazen aus. Zwei Löwinnen lagen wohlig auf dem Rücken und wir sahen nur ihre Pfoten aus dem Gras in die Luft ragen, so wie es Katzen tun, wenn es ihnen pudelwohl ist.
Auf unserer Fahrt durch die Etosha hatten wir immer wieder das Gefühl beobachtet zu werden, was sich auch als richtig erwies. Oft waren es Giraffenaugen, welche uns über die Büsche hinweg neugierig musterten. Giraffen - im Gegensatz zu den Nashörnern - scheinen wahrlich nicht vom Aussterben bedroht zu sein.

Ein ganz fotogenes Tier zeigte sich am Ende unseres zweiten Tages: eine Tik-Tik Antilope, die kleinste und sehr scheue ihrer Art. Sie gibt es nur in Namibia und wird nur 5 Kilogramm schwer. Am selben Abend tauchte eine weitere gleich neben unserem Zelt auf, wohl in der Hoffnung, Nahrung zu finden.

Total erholt und mit vielen Eindrücken reicher fuhren wir am Mittwoch nach Tsumeb zurück, wo wir auf einem Zeltplatz mit Grasuntergrund und grossem Schwimmbad zelteten, um die Stadt mit ihren Einkaufsmöglichkeiten zu nutzen. Ziemlich ungeplant kamen wir am Namibian Culture Museum vorbei, das sich als der kleine Bruder vom Freilichtmuseum Ballenberg erwies. Nachdem wir uns im Gästebuch eingetragen hatten (Durchschnitt 3 bis 4 Besucher pro Tag), spazierten wir von Siedlung zu Siedlung von jeder Stammesgruppe Namibias mit ihren typischen Baustielen. Die Angestellte des Museums sagte uns, dass das Museum von jeder Stammesgruppe Leute einlud, welche die Häuser gemäss ihrer Tradition bauten. Dass man sich wohl dabei nicht immer einig war, zeigte der Umstand, dass bei den Namas keine Gebäude standen, da sich die Verantwortlichen nicht einig geworden seien. Sibylle posiert vor einer Unterkunft der !Khûng, eines San Volkes. (Das ! im Wort ist ein Schnalzlaut.)

Am Schluss besuchten wir noch die Kupfermine von Tsumeb, welche bis vor wenigen Jahren in Betrieb war. Über dem Eingang zum Abzug in den Schacht entdeckten wir eine interessant beschriftete Tafel. Erstens sind darauf Schlagwörter von Leitgedanken notiert und der Teamgedanke wird hochgehalten. Zweitens werden darauf die Ziele für die Unfallzahlen festgehalten, die geringer ausfallen sollen als im Jahr zuvor. Schön, dass man dieses Schild bewahrt, da es doch historischen Wert hat.
Nun sind wir wieder zurück in Rundu, wo es doch auch super schön ist. Zwar scheint der Winter eine letzte Kapriole zu schlagen, denn heute Nacht fiel die Temperatur auf 5 Grad. Nun geniessen wir das Wochenende und bereiten uns gedanklich wieder auf die Arbeit vor.
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