von Sibylle
Heute möchte ich kurz das Gesundheitswesen von Namibia erklären und auch die grossen Herausforderungen schildern, mit denen das Gesundheitspersonal und der Staat konfrontiert ist. Im zweiten Teil möchte ich die Aufgaben der Abteilung "Primary Health Care", wo Anni Schmid arbeitet, vorstellen. Der ganze Artikel erschien auch diesen November in der SBK (Schweizerischer Berufsverband der KrankenpflegerInnen) Zeitschrift. Ich verwende dafür aber neue, aktualisierte Bilder.
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| Sibylle und Anni |
Namibia
ist als Reiseland wohl vielen Menschen bestens bekannt. Wunderschöne Wüstenlandschaften
mit endlosen Weiten und einer faszinierenden Tierwelt zeichnen dieses Land aus,
welches etwa doppelt so gross wie Deutschland und Heimat für rund 2.2 Millionen
Einwohner ist. Politisch unabhängig und als eigener Staat anerkannt ist Namibia
erst seit dem 21. März 1990. Als demokratische Nation, welche die
Rede- und Pressefreiheit hochhält, geniesst sie seit der Unabhängigkeit politische
Stabilität. Das ist nicht selbstverständlich angesichts einer mehr als 100
Jahre lang dauernden deutschen und südafrikanischen Fremdherrschaft. „Das
tönt ja alles wunderbar“, bekam ich vor unserem Einsatz mit INTERTEAM in Namibia
oft zu hören. „Wieso also braucht es dich überhaupt in Namibia?“Ich finden dies eine berechtigte Frage. Aber im praktischen Alltag mit den
Patienten und nach einem vertieften Einblick in das Gesundheitssystem wurde mir schnell bewusst, dass hier noch viel Arbeit geleistet werden muss, um der
gesamten Bevölkerung ein funktionierendes und qualitativ angepasstes
Gesundheitssystem zur Verfügung zu stellen.
Das Gesundheitssystem von
Namibia in Fakten und Zahlen
Der
Hauptsitz des „Ministry of Health and Social Services“ ist in Windhoek, der
Hauptstadt Namibias. Das gesamte Gesundheitswesen wird zentral gesteuert. Dies
beinhaltet neben nationalen Gesundheitsstrategien auch den Einkauf und die
Verteilung von Medikamenten und Medizinalprodukten, die Planung von Spitälern
und Kliniken, das Erstellen von Richtlinien und Weisungen sowie das
Personalmanagement. Es ist zudem erforderlich, dass jegliches
Gesundheitspersonal (auch Ausländer) eine namibische Registration durchlaufen
und eine Prüfung ablegen muss.
Namibia
ist administrativ in 14 Regionen und 35 Gesundheitsbezirke unterteilt.
Die Region
Kavango (seit 2014 in West und Ost unterteilt) befindet sich ganz im Norden von
Namibia, nahe der angolanischen Grenze. Zusammen ist das Gebiet etwa so gross
wie die gesamte Schweiz. Die Region Kavango wird in 4 Gesundheitsbezirke
unterteilt. Der Bezirk Rundu entspricht flächenmässig etwa einem Drittel der Schweiz
und versorgt dabei rund 170’000 Einwohner. Im Bezirk Rundu wird die
medizinische Grundversorgung durch das Team der „Primary Health Care“ (PHC) gewährleistet,
nicht eingeschlossen sind die Spitäler. Das PHC Team, in welchem auch Anni Schmid (INTERTEAM-Fachfrau) arbeitet, ist verantwortlich für 24 Kliniken und 177 Health Posts. Health Posts
sind Orte, welche mit dem Auto als fahrende Klinik besucht werden.
Die Aufgaben der Kliniken,
welche von Pflegenden ohne Präsenz eines Arztes erledigt werden, sind
vielfältig. Dazu gehören Abklärungen und Behandlungen verschiedener Krankheiten
(auch HIV/AIDS, Malaria oder Tuberkulose), Wundversorgungen, Familienplanung
und Schwangerschaftskontrollen bis hin zu Geburtshilfe.
| Neuere Klinik in Ncuncuni (Schulbereich Christian) |
Gesundheitszustand der Bevölkerung
Global betrachtet gilt Namibia als Land mit einem mittleren Entwicklungsstand (upper middle income country). Leider gehört es auch zu den weltweit führenden Ländern hinsichtlich ungleicher Verteilung des Wohlstands. In den letzten 5 Jahren wuchs die Wirtschaft in Namibia durchschnittlich um 4.3% jährlich. Trotzdem liegt die Arbeitslosigkeitsrate bei 29.6% und ein Viertel der Bevölkerung lebt in Armut. Der Kavango ist mit einer Armutsrate von 53% und einer Arbeitslosigkeit von 50% die ärmste Region von Namibia. Die Folge sind soziale Probleme wie hoher Alkoholkonsum, verbreitete häusliche Gewalt und Teenagerschwangerschaften. Zudem sind gesundheitliche Risiken wie Mangel- oder Fehlernährung bei Kindern und Erwachsenen mit einer hohen Kindersterblichkeitsrate und verschiedenste Infektionskrankheiten weit verbreitet, da unter anderem auch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser nicht überall gewährleistet ist.
Global betrachtet gilt Namibia als Land mit einem mittleren Entwicklungsstand (upper middle income country). Leider gehört es auch zu den weltweit führenden Ländern hinsichtlich ungleicher Verteilung des Wohlstands. In den letzten 5 Jahren wuchs die Wirtschaft in Namibia durchschnittlich um 4.3% jährlich. Trotzdem liegt die Arbeitslosigkeitsrate bei 29.6% und ein Viertel der Bevölkerung lebt in Armut. Der Kavango ist mit einer Armutsrate von 53% und einer Arbeitslosigkeit von 50% die ärmste Region von Namibia. Die Folge sind soziale Probleme wie hoher Alkoholkonsum, verbreitete häusliche Gewalt und Teenagerschwangerschaften. Zudem sind gesundheitliche Risiken wie Mangel- oder Fehlernährung bei Kindern und Erwachsenen mit einer hohen Kindersterblichkeitsrate und verschiedenste Infektionskrankheiten weit verbreitet, da unter anderem auch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser nicht überall gewährleistet ist.
HIV/Aids und
Tuberkulose
Ein weiteres grosses Problem in Namibia ist die hohe
HIV/Aidsrate mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen. In der
Region Kavango liegt die HIV/Aidsrate, die bei schwangeren Frauen gemessen wird,
bei 24.9 %. Im namibischen Durchschnitt beträgt sie 16 %.
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| Schulkinder machen auf HIV/Aids aufmerksam |
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| Eine jugendliche Theatergruppe zeigt den Zuschauern sehr professionell, wie sie sich gegen HIV/Aids schützen können. |
Distanzen
Die Mehrheit der Bevölkerung aus stadtnahen Gebieten erreicht ihre Klinik innerhalb 10 bis 19 km Marschdistanz. In ländlichen Regionen müssen auch mal gut und gerne zwischen 25 bis 59 km zurückgelegt werden. In ganz abgelegenen Dörfern können es sogar mehr als 100 km sein. Da nur wenige Namibier ein Auto besitzen, werden Esel- oder Schubkarren als Krankentransportmittel benutzt. Leider haben nicht alle Kliniken, Bezirks- oder Intermediate Spitäler genügend Ambulanzfahrzeuge für Patiententransporte. Ein anderes Problem sind die Vehikel selber, da die vorhandenen Ambulanzen des Öfteren nicht in einem fahrtauglichen Zustand sind.
Die Mehrheit der Bevölkerung aus stadtnahen Gebieten erreicht ihre Klinik innerhalb 10 bis 19 km Marschdistanz. In ländlichen Regionen müssen auch mal gut und gerne zwischen 25 bis 59 km zurückgelegt werden. In ganz abgelegenen Dörfern können es sogar mehr als 100 km sein. Da nur wenige Namibier ein Auto besitzen, werden Esel- oder Schubkarren als Krankentransportmittel benutzt. Leider haben nicht alle Kliniken, Bezirks- oder Intermediate Spitäler genügend Ambulanzfahrzeuge für Patiententransporte. Ein anderes Problem sind die Vehikel selber, da die vorhandenen Ambulanzen des Öfteren nicht in einem fahrtauglichen Zustand sind.
Ungenügende
Kommunikationsnetze
Obwohl in den städtischen Gebieten zahlreiche Menschen
über Mobiltelefone verfügen und der Mittelstand sich Internet leisten kann, ist
es im ländlichen Namibia unmöglich überall Zugang zu Handynetz, geschweige denn
Strom, zu haben. Dies gilt auch für Schulen und Kliniken. Die einzige
Möglichkeit, einseitig mit Menschen im Hinterland zu kommunizieren, besteht
über das batteriebetriebene Radio.
Zu wenig ausgebildetes
Gesundheitspersonal
Am Beispiel des Rundu State Hospital möchten wir aufzeigen,
was für eine Herkulesaufgabe das Gesundheitspersonal täglich zu bewältigen hat.
In der Notfallabteilung und den angrenzenden ambulanten Behandlungsräumen
werden pro Tag zwischen 200 und 400 Patienten betreut. Hierbei sind die
Spezialkliniken nicht einberechnet. (HIV/Aidsklinik zusätzlich bis 300
Patienten pro Tag). Im Durchschnitt wartet ein Patient zwischen 4 und 6 Stunden
auf seine Behandlung. Das Bild der auf Holzbänken sitzenden, teilweise auch am
Boden liegenden und wartenden Menschen berührt uns immer wieder. In den
Bettenstationen sind Matratzenlager wegen Überbelegung der Betten normal. So
betreuen in der Frauenabteilung 5 Pflegende bis zu 70 Patienten täglich. Wir getrauen
uns bei diesem Arbeitspensum nicht, noch Anforderungen bezüglich Pflegequalität
zu stellen. Ganz geschäftig geht es auch auf der Geburtenabteilung zu und her.
So bewerkstelligen beispielsweise die 18 Hebammen zwischen 10 und 20 Geburten
pro Tag und das über das ganze Jahr. Der grosse Ärzte-, und Pflegepersonalmangel wurde von der Regierung erkannt,
und es wird nun vermehrt einheimisches Gesundheitspersonal ausgebildet.
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| Überfüllte Geburtenabteilung |
und es wird nun vermehrt einheimisches Gesundheitspersonal ausgebildet.
Fehlende Spezialkliniken und ungenügende oder veraltete Infrastrukturen
| Mein kleiner Liebling! |
Viele Spitäler sind renovationsbedürftig oder müssten den heutigen
Gegebenheiten angepasst werden. Doch dazu fehlt das nötige Geld. So kann es
vorkommen, dass der Generator ausgerechnet bei einem Stromausfall nicht
funktioniert. Dies hat natürlich tragische Folgen für viele Abteilungen, wie zum Beispiel die Geburtenabteilung.
| Neugeborene auf der Geburtenabteilung |
Erschwerte Logistik und
zu wenig medizinisches Material
Den ganzen Bedarf an medizinischen Gütern in einem
Land mit nur 2.2 Millionen Einwohnern und begrenzten finanziellen Ressourcen zentral
zu steuern, kann dann Sinn machen, wenn die Versorgungswege sichergestellt
sind. Dies ist in Namibia jedoch nicht vollumfänglich der Fall. So sind wir
täglich mit Engpässen bei wichtigen Medikamenten, bei Transfusionsbestecken
oder Schutzmasken konfrontiert.
Ein Tag mit Anni
unterwegs im „Outreach Team“
Meine Arbeit konzentriert sich auf das „Outreach
Team“. Zurzeit sind vier Pflegefachleute dafür verantwortlich, dass die 177 „Health
Points“ mehr oder weniger regelmässig besucht werden. Diese Treffpunkte liegen mindestens
5 km entfernt von einer Klinik, sonst müssen die Patienten die nächste Klinik
aufsuchen.
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| Health Point |
Bei unserer Ankunft informieren wir zuerst die
umliegenden Weiler. Meist treffen wir die Patienten dann unter einem Baum. Das
Buschtelefon funktioniert gut, so dass innerhalb kurzer Zeit Leute aus
verschiedenen Richtungen bei uns ankommen. Manchmal werden die Patienten zusätzlich
per Radio über den Besuch informiert. Ich will euch nun einen Einblick in einen Tagesablauf geben, im Bewusstsein, dass kein Tag gleich ist wie der andere.
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| Büro Anni |
Büro PHC
Um 8 Uhr komme ich im Büro der PHC in Rundu an und begrüße alle Anwesenden ausführlich. Die erste Verrichtung erledige ich im Impfstoffraum, wo ich die Temperatur des Kühlschranks mit den Impfstoffen kontrolliere. Mit der Kollegin Ida geht es dann zum Medikamentenlager um fehlende Produkte für unseren Ausflug abzuholen. Die Impfstoffe werden in einer Kühlbox transportiert. Nun sind wir ausgerüstet. Die Teamleiterin und Kollege Edward sind noch an einer Besprechung mit der Supervisorin, weil die Statistiken des letzten Monats noch nicht abgeliefert wurden. Also warten meine Kollegin und ich auf die Beiden. Solche Wartezeiten sind hier häufig und ich habe mir angewöhnt, immer ein Fachbuch dabeizuhaben. Manchmal kann ich die Zeit auch nutzen, um der Administration unter die Arme zu greifen.
Um 8 Uhr komme ich im Büro der PHC in Rundu an und begrüße alle Anwesenden ausführlich. Die erste Verrichtung erledige ich im Impfstoffraum, wo ich die Temperatur des Kühlschranks mit den Impfstoffen kontrolliere. Mit der Kollegin Ida geht es dann zum Medikamentenlager um fehlende Produkte für unseren Ausflug abzuholen. Die Impfstoffe werden in einer Kühlbox transportiert. Nun sind wir ausgerüstet. Die Teamleiterin und Kollege Edward sind noch an einer Besprechung mit der Supervisorin, weil die Statistiken des letzten Monats noch nicht abgeliefert wurden. Also warten meine Kollegin und ich auf die Beiden. Solche Wartezeiten sind hier häufig und ich habe mir angewöhnt, immer ein Fachbuch dabeizuhaben. Manchmal kann ich die Zeit auch nutzen, um der Administration unter die Arme zu greifen.
Nachdem wir in der Spitalküche unseren Mittagspicknick abgeholt
und an der Tankstelle getankt haben, können wir um 9:30 Uhr abfahren. Heute
führt uns die geteerte Strasse rund 80km in den Süden, bevor wir auf eine
Naturstrasse abbiegen. Teilweise ist diese sehr sandig und schmal, so dass wir der
Vierradantrieb eingeschaltet werden muss. Nach zwei Stunden kommen wir beim
ersten Weiler „Wiseni“ an und stellen fest, dass zwar Kinder da sind, die
Impfungen benötigten, weil aber die Eltern nicht anwesend, dürfen wir die Impfungen
nicht verabreichen. Schade!
Da es bald Mittagszeit ist, machen wir auf dem
Weg zum nächsten Weiler einen kurzen Halt und genießen das Brot mit Poulet. In
Musovo benachrichtigen wir die Leute, dass die „sipangero“ (mobile Klinik) da
sei und etablieren uns mit unserem Material unter einem Baum.
Musovo
Eine ältere Frau, die vor 2 Tagen gestürzt ist, wird von einem Bekannten in einer Schubkarre zum Treffpunkt gebracht. Sie hat ein geschwollenes Knie, aber keine Frakturen und deshalb ist Überweisung nicht nötig. Die meisten Besucher kommen mit kleineren Beschwerden wie Husten, Kopf- oder Gliederschmerzen, Konjunktivitis, Fieber, Hypertonie, Würmern, Unterernährung, Flechten usw. Die Patienten werden von einer Pflegfachfrau unseres Teams befragt und je nach Beschwerden werden dann Medikamente verordnet, vor allem Schmerzmedikamente, Antibiotika, Antirheumatika, Antihistaminika, Vitamine und Blutdruckmedikamente. Unsere Auswahl ist natürlich beschränkt.
Eine ältere Frau, die vor 2 Tagen gestürzt ist, wird von einem Bekannten in einer Schubkarre zum Treffpunkt gebracht. Sie hat ein geschwollenes Knie, aber keine Frakturen und deshalb ist Überweisung nicht nötig. Die meisten Besucher kommen mit kleineren Beschwerden wie Husten, Kopf- oder Gliederschmerzen, Konjunktivitis, Fieber, Hypertonie, Würmern, Unterernährung, Flechten usw. Die Patienten werden von einer Pflegfachfrau unseres Teams befragt und je nach Beschwerden werden dann Medikamente verordnet, vor allem Schmerzmedikamente, Antibiotika, Antirheumatika, Antihistaminika, Vitamine und Blutdruckmedikamente. Unsere Auswahl ist natürlich beschränkt.
Die grosse Herausforderung in der Abgabe von
Medikamenten besteht darin, dass oft trotz geringer Beschwerden die Leute im
Busch unbedingt eine farbige Pille erhalten möchten. So wird oftmals aus Empathie
oder Schuldgefühl ein Antibiotikum verschrieben, da man die Leute ja einige Monate
nicht mehr sehen wird.
| Sun Familie vor Klinik mit Nurse |
Hoffnungslos?
Beim letzten Halt treffen wir eine 20 jährige Frau. Wegen eines Tumors wurde sie am Rücken operiert, seither ist sie aber an beiden Beinen gelähmt. Sie leidet an schlimmen Dekubiti beider Hüften und liegt auf einer dünnen, nassen Matratze in einer dunklen Hütte. Die Angehörigen haben Blätter eines Baumes in die Wunden gestopft und dies hat eine Infektion ausgelöst. Da sie bereits hohes Fieber hat, entscheiden wir mit den Eltern, dass sie ins Spital transportiert werden müsse. Unser Fahrer übernimmt diesen Transport während wir andere Patienten behandeln. Bevor ich mich verabschiede, beuge ich mich zu der jungen Frau hinunter und lächle sie an. Ihr trauriger und hoffnungsloser Gesichtsausdruck hat mich seither noch oft beschäftigt. Diese Frau hat keine Chance auf eine einigermaßen angepasste Pflege oder einen Rollstuhl. Die Zufahrt zur Hütte ist sandig und sehr abgelegen; niemand weiss, was eine angepasste Pflege beinhalten könnte. Solche Situationen stimmen mich sehr traurig.
Beim letzten Halt treffen wir eine 20 jährige Frau. Wegen eines Tumors wurde sie am Rücken operiert, seither ist sie aber an beiden Beinen gelähmt. Sie leidet an schlimmen Dekubiti beider Hüften und liegt auf einer dünnen, nassen Matratze in einer dunklen Hütte. Die Angehörigen haben Blätter eines Baumes in die Wunden gestopft und dies hat eine Infektion ausgelöst. Da sie bereits hohes Fieber hat, entscheiden wir mit den Eltern, dass sie ins Spital transportiert werden müsse. Unser Fahrer übernimmt diesen Transport während wir andere Patienten behandeln. Bevor ich mich verabschiede, beuge ich mich zu der jungen Frau hinunter und lächle sie an. Ihr trauriger und hoffnungsloser Gesichtsausdruck hat mich seither noch oft beschäftigt. Diese Frau hat keine Chance auf eine einigermaßen angepasste Pflege oder einen Rollstuhl. Die Zufahrt zur Hütte ist sandig und sehr abgelegen; niemand weiss, was eine angepasste Pflege beinhalten könnte. Solche Situationen stimmen mich sehr traurig.
Unterdessen ist es Zeit, den Heimweg anzutreten.
Ich bin dankbar, um 18 Uhr gesund zu Hause anzukommen.
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| Traditionelles Dorf im Hinterland |








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