Saturday, 28 June 2014

Ein Lichtblick gegen Ende eines harten Lebens

von Sibylle

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

gerne möchte ich heute über eine spezielle Woche im Rundu State Hospital erzählen.

Jedes Jahr organisiert das Gesundheitsministerium zusammen mit Ärzten verschiedenster Spitäler aus aller Welt und aus Windhoek eine Augenoperationswoche für die nördlichen Regionen in Namibia. Es werden vor allem ältere Patienten mit grauem Star oder anderen kleineren Augenproblemen behandelt und operiert.

So verwandelt sich das Spital in ein richtiges Camp. Zuerst werden alle Betten von der Chirurgie nach draussen befördert und die ganze Abteilung wird mit einer grossen Menge am Boden liegender Matrazen  ausgekleidet.


Da mehr als 350 zusätzliche Patienten während dieser Woche betreut werden müssen, genügt der Platz die Chirurgie bei weitem nicht. Jeder freie Raum (z.B. der Gymnastikraum der Physiotherapie, das Spielzimmer der Kinderstation und alle Untersuchungsräume) werden zu einem Matrazenlager. Natürlich werden die stationären chirurgischen Patienten in die anderen Abteilungen verlegt, was wiederum auch dort zu massiver Überbelegung führt. Momentan glaube ich nicht, dass es einen freien Raum ohne Matrazen am Rundu State Hospital gibt.

Das Operationspersonal und zusätliche Pflegende müssen zu diesem Zweck aus allen Spitälern der Gegend rekrutiert werden und sie arbeiten nun für eine Woche am State Hospital. Auch muss für das Personal und die zusätzlichen Patienten ein Catering-Service organisiert werden, damit auch alle etwas zu Essen bekommen. Dies zu organisieren verlangt doch so einiges und leider kommt es vor, dass nicht alle Patienten genug zu Essen haben. Auch haben viele der Patienten vor lauter Aufregung ihre regulären Medikamente zuhause vergessen. Dies bedeutet für die Pflege, dass sie neben den Augenmedikamenten auch immer wieder ein Bluthochdruckmedikament oder sonstige Pillen verabreichen muss. Gottlob ist alles im Gesundheitspass, den die Patienten auf sich tragen, notiert!

Jeder Winkel ist mit Matratzen belegt. 

Die vorwiegend älteren Patienten warten vor dem Operationstrakt in einer langen Reihe sitzend auf ihre Behandlung. Sie sind barfuss, tragen ein Spitalnachthemd mit Operationshaube, haben ihre Krankenakte unter dem Arm geklemmt und warten darauf, dass sie zur Operation aufgerufen werden.


Nach der Operation werden sie wieder zurück in ihre Räume geführt und es wird ihnen regelmässig Augentropfen verabreicht. Ich bin mir nicht sicher, ob immer alle Patienten, auch die in den kleinsten Winkeln und Räumen, ihre Medikamente zur richtigen Zeit bekommen, da überall im Spital verstreut nun Augenpatienten liegen.
Diese Lehrerin aus Katima Mulilo freut sich, dass
sie bald wieder Fernsehen kann.
(Foto mit Einverständnis der Patientin)
Die äusseren Umstände scheinen aber die Patienten nicht zu stören. Sie verbringen ihre Tage diskutierend, waschen ihre Kleider (das fliessende Wasser aus dem Hahnen wird natürlich von vielen sehr geschätzt, da sie dies in ihren Dörfern nicht haben) und ruhen sich aus.

Da die ganze Aktion von der Regierung unterstützt wird, fehlt es natürlich nicht an politischer Aufmerksamkeit und Promotion. Das macht sich eh gut in einem Wahljahr! So durften wir offiziell eine Vertreterin des "Governer`s"der Kavango-Region begrüssen.

Das Allerschönste an dieser Aktion ist, wenn den sehbehinderten Menschen relativ schnell geholfen werden kann. Ich habe beobachtet, dass die Patienten nach der Operation im Krankenzimmer herumgetanzt haben, begleitet vom Gesang und freudigem Klatschen  anderer Mitpatientinnen. Es wird viel gelacht und geschwatzt dabei.

Diese alte Meme (Frau) tanzte vor Freude und Dankbarkeit im Krankenzimmer,
unterstützt vom geklatschten Rhythmus ihrer Mitpatientinnen.
(Foto mit Einverständnis der Patientin)

Teilweise haben die alten Menschen von ihren Angehörigen Handys für den Spitalaufenthalt bekommen, damit sie mitteilen können, wie es ihnen geht. Jetzt klingeln tagsüber ganz fröhlich viele Handys. Die "Tates" und "Memes" schauen aber dann ganz befremdet auf den Display, den sie wohl das erste Mal sehen (natürlich sind sie sich auch im  Umgang mit Handys wohl nicht gewohnt). So müssen Nurse-Student/innen ihnen behilflich sein, die Telefone zu bedienen, was sie aber gerne machen.





No comments:

Post a Comment