von Christian
Bis vor kurzem standen meine Joggingschuhe faul im Schuhregal herum. Doch dann teilte mir Daniel mit, dass an der Tradefair, der Handelsmesse von Rundu, ein "Marathon" organisiert werde. Marathon bedeutet hier in Rundu einen Lauf von ca. 6 Kilometern. Dies verleitete mich dazu, den Schuhen trainingshalber einigen Auslauf zu gewähren und sie abends bei 30 Grad Celsius auszuführen. Das Training bestand aus dreimaligem kurzen Lauf über die Kavangoebene bis meine Kopffarbe einer Tomate glich. Das musste genügen.
Dann war es am letzten Samstag soweit. Daniel, mein Konkurrent meiner Altersklasse, Albert und Ramon fanden uns bei bester Laune und fest entschlossen, die Herausforderung zu packen, bei der Messe ein. Dort wurden wir vom Sponsor des Laufes hellblau eingekleidet. Bei der Anmeldung wurden wir nach unseren Namen gefragt und bekamen selbstbemalte Startnummern. Wir wunderten uns schon, dass wir nicht nach unseren Jahrgängen gefragt wurden, gab es doch neben der Erwachsenen-, auch eine Seniorenkategorie.
Der erste Ausdauertest bestand im Lauschen der Reden anlässlich dieses historischen "ersten Rundu Marathons" und dem Warten auf ein Polizeifahrzeug, das die Läufer begleiten sollte. Sibylle half mit die Zeit zu verkürzen, indem sie das Startfeld von vorne fotografierte, das hauptsächlich aus motivierten Schulkindern bestand.
Endlich, nachdem die Temperatur schon wieder die 30 Grad Marke knackte, erfolgte das lang ersehnte Startkommando. Wir liefen umgeben von barfüssigen Kindern zuerst über eine Sand- und
Kiesstrecke und danach auf Teerstrassen rund ums Zentrum von Rundu.
Überall begegneten wir Gruppen von Passanten, die plötzlich in lautes Gejohle und Lachen ausbrachen, als sie mich, den Shirumbu (Weissen) inmitten der Läufer/innenschar erkannten. Deren Freudes-ausbrüche konnte ich nur partiell teilen, fühlten sich meine Beine doch schon nach wenigen Kilometern wie Blei an. Doch irgendwann fand ich meinen Rhythmus und schaffte es sogar bis ins Ziel ohne zu Gehen.
Auf der Zielgerade wurde ich noch, wie zum Hohn, von einem Jungen überholt der seine Schuhe in den Händen hielt. Er wollte mir wohl beweisen, dass es ohne Schuhe doch besser geht.
Im Zielbereich standen schon viele junge Läuferinnen und Läufer gelangweilt im Zielgelände rum. Die kennen das Wort "Training" vermutlich nicht, sind aber vom täglichen Alltag mit Feuerholz und Wasser schleppen, den langen Schulwegen und dem barfüssigen Spiel für jeden Marathon gestählt.
Bei der Siegerehrung warteten Daniel und ich vergeblich darauf, bei den Veteranen aufs Podest gerufen zu werden. Zu unserem Erstaunen holten die ersten drei Preise in unserer Kategorie drei jugendlich wirkende Herren, die wir nie zu den Veteranen gezählt hätten aber zugegebenermaßen einige Zeit vor uns ins Ziel liefen. Ob diese wohl nach ihrem Alter gefragt wurden? Egal, wir sind trotzdem Stolz auf unseren Lauf!
| Gewinner der Hauptkategorie beim Interview |
Die Erlebnisse an diesem eindrücklichen und erlebnisreichen Lauf werden wir nicht so schnell vergessen. Falls er nächstes Jahr wieder durchgeführt wird, haben wir uns vorgenommen, unsere Joggingschuhe etwas früher aus dem Regal zu nehmen und evtl. ein Training barfuss zu absolvieren.
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