Saturday, 1 November 2014

Health emergency preparedness and response committee

von Sibylle
Liebe Bloglerserinnen und Blogleser,

diejenigen von euch, die den Rundbrief Nr. 4 gelesen haben, wissen, dass ich an einem übergeordneten regionalen Komitee teilnehme, das Vorkehrungen gegen die Verbreitung von Ebola trifft. Natürlich kann dieses Komitee auch für alle grössen medizinischen Katastrophen eingesetzt werden. Die Herausforderungen für das Komitee sind enorm, da mit Ebola einer der schlimmsten, nicht behandelbaren Infekten auf uns zu zukommen droht. Anzufügen ist, dass das Rundu State Hospital ausser zwei Tuberkulosenabteilungen über keine Isolationsräume verfügt, und das ganze Spital zudem sehr stark belegt ist und baulich nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügt. 

Im August wurde jedes grössere Spital offiziell von der Regierung aufgefordert, sich für mögliche verdächtige Ebolafälle zu rüsten, Isolationsstationen einzurichten und ein Komitee für Gesundheitskatastrophen zu bilden. Dies stellte sich als gar nicht so einfach heraus, da viele mögliche Komiteemitglieder andere Prioritäten in ihrer Arbeit sahen, als an solchen Sitzungen teilzunehmen. 
Auch der Standort eines Isolierzimmers musste über mehrere Wochen diskutiert werden, da natürlich niemand ein Isolierzimmer für Ebola in der Nähe seines Arbeitsplatzes wollte. Doch wer richtet ein solches Isolierzimmer ein, wenn niemand Erfahrung mit Ebola hat? 
So machten sich der verantwortliche für Infektionskontrolle und ich auf der Webseite der  WHO schlau, wo viel brauchbare Informationen fanden. Anhand diesen versuchten wir die Grundausstattung eines Isolierzimmers zu bestellen und einzurichten. Die spezielle Schutzkleidung für Ebola bekamen wir vom Ministry of Health in einer kleinen Anzahl. Diese sollten für die ersten 24 Stunden reichen, wenn ein Verdachtsfall auftritt und danach wird der  Nachschub direkt von Windhoek geliefert. 

Da Ebola bei vielen Pflegenden und anderen Berufen im Gesundheitswesen massive Ängste auslöst, werden wir oft mit der Strategie des Ausweichens anstatt Verantwortung zu übernehmen konfrontiert. Dies machte der ganze Aufbau einer Isolationsabteilung für mich und dem verantwortlichem für Infektionskontrolle sehr kompliziert. Nach etwas mehr als 6 Wochen haben wir nun ein Isolierzimmer mit angrenzenden Umkleideräumen und Materiallager eingerichtet. Jetzt warten wir noch auf wenige Dinge, welche den beschwerlichen Weg über die Administration nehmen müssen. 
Der nächste Schritt für das Pflegemanagement ist es nun zu bestimmen, wer in einer solchen Isolationsabteilung arbeiten wird. Erst wenn dies gemacht ist, können wir mit spezifischen Schulungen über das Verhalten in der Isolationsabteilung beginnen. 

Natürlich müssen auch noch andere Berufsgruppen im Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen geschult werden. Dies sind zum Beispiel Ambulanzfahrer, Ärzte, Sozialarbeiter, Abfallentsorger, Wäschereiangestellte, Mitarbeiter im Reinigungsdienst, Bestatter und so weiter. Für die meisten Berufsgruppen gibt es keine klaren Handlungsanweisungen, sodass wir diese Informationen zuerst im Internet suchen und auf unsere Gegebenheiten anpassen müssen. Wir haben aber nun begonnen alle vorher genannten Berufsgruppen über Standard Infektionsmassnahmen und -Kontrollen aufzuklären und zu schulen. Langsam sehen wir auch in der Umsetzung im Alltag kleine Fortschritte, obwohl noch grosse Anstrengungen von allen Beteiligten  unternommen werden müssen, damit wir eine Chance gegen Ebola haben. 

Das "Health emergency preparedness and response committee" mit den verschiedenen Beteiligten aus den unterschiedlichsten Berufsfelder wie Ärzte, Pflegende, Statistiker, Gesundheitsinspektoren, Umweltwissenschaftler, Gemeindepflegende, Abfallverantwortlichen der Stadt und Region, Regierungsvertreter bis hin zu Ortsvorsteher der Stadt und Regionen ist nun aufgefordert, sich für einen Ebola Outbreak vorzubereiten. 

Für mich ist das natürlich eine einmalige Gelegenheit zu sehen, wie in Namibia Dinge anders funktionieren und was für Unterschiede es zu Sitzungen in der Schweiz gibt. 

Hier ein paar Beispiele: 

  • Eine grosse Sitzung beginnt mit einem Gebet um von Gott die Unterstützung für einen erfolgreichen Austausch zu bekommen. 
  • Die ganze Sitzung läuft sehr formell ab, Titel von einzelnen Personen werden immer wieder betont und hervorgehoben.
  • Für eine Wortmeldung wird die Hand erhoben, der Sitzungsleitende erteilt einem dann das Wort. 
  • Wenn einem Teilnehmenden das Wort erteilt wird, bedankt man sich zuerst beim vorherigen Redner für den Beitrag und beim Sitzungsleitenden für die Worterteilung. 
  • Die Sitzungen dauern mindestens drei Stunden.
Für mich sind diese Sitzungen auch sehr spannend und lehrreich da ich nun realisiere, wie komplex die Verhinderung eines Krankheitsausbruchs im afrikanischen Kontext am Beispiel Kavango Region sein kann.

Hier ein paar Beispiele:
  • Im Falle eines Ebola-Verstorbenen wird die Leiche sofort, ohne Beisein von Angehörigen, verbrannt. In vielen afrikanischen Länder wird der Verstorbene mit verschiedenen Ritualen zuerst verabschiedet und dann mit einer grossen Beerdigungsfeier zur Ruhe gesetzt. Verbrennen von Leichen ist ein Tabu.
  • Menschen unter Quarantäne zu stellen in einem sehr dicht besiedelten Township ist eine grosse Herausforderung.
  • In einem Land wo "Unerklärliches" und "Nicht Verstandenes" oft als "Hexerei" gehandelt wird ist es schwierig, eine gute Aufklärung und Informationspolitik zu betreiben. 
  • In Namibia, wo die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung bezüglich mangelnder Infrastruktur wie sauberem Wasser, Toiletten, medizinischem Material und stabiler Stromversorgung leidet, ist die Prävention und Kontrolle von einer Krankheit wie Ebola eine grosse Herausforderung. 
  • Ein grosser Mangel an verschiedenstem Gesundheitspersonal und eine nicht gewährte kontinuierliche Versorgung von verschiedensten Schutzkleidungen und wichtigen Medikamenten macht die Situation auch nicht gerade einfach. 
  • Da die Gesundheitsversorgung für die südlichen Angolaner auch sehr marginal vorhanden ist, reisen viele Menschen ins benachbarte Namibia um Krankheiten zu heilen, Kinder zu Gebären, Unfallopfer zu versorgen oder gar Tote zu bestatten. Eine grosse Herausforderung für die Grenzkontrollen, da der Fluss an verschiedensten Stellen mit Booten überquert wird und eine Einreisekontrolle so sehr schwierig ist. 

Da werden wohl noch einige Sitzungen vergehen, bis für alle diese Fragen mögliche Lösungen vorhanden sind und diese auch umgesetzt werden können. 




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