Saturday, 17 January 2015

Schuljahresbeginn

von Christian
Letzte Woche konnte man in Rundu aufgeregte Kinder beobachten, die mit erwachsenen Familienangehörigen im Supermarkt vor den Regalen standen und Stifte, Rücksäcke und anderes einkauften. Ein Geschäft, das sich darauf spezialisiert hat, Hosen, Röcke, Hemden und Blusen in den bekannten Schuluniformfarben zu vertreiben, wurde regelrecht überrannt. Denn erst diese Woche konnten Eltern ihre Kinder für dieses Schuljahr definitiv einschreiben. Dies war für viele ein regelrechter Hürdenlauf von Schule zu Schule, da sie auch immer wieder wegen überfüllten Klassen abgewiesen wurden. 

Magdalena, unsere Haushaltshilfe, bat uns um einen Lohnvorschuss, damit sie ihrem Sohn, der in die 7. Klasse geht, die nötigsten Schulutensilien kaufen konnte. Für viele Familien ist es eine Herausforderung die nötigen Mittel (Geld, Kleider, Hefte usw.) aufzubringen, ihren Kindern das zu kaufen, was nicht im unentgeltlichen Schulbesuch enthalten ist. Die Schulen finden auch immer wieder Gründe, von den Eltern Geld zu verlangen, wenn diese ihre Kinder einschreiben. Das hat zur Folge, dass eine gewisse Selektion der Schülerschaft statt findet, was eigentlich mit dem Grundsatz "free education" nicht vereinbar ist. 

Rundu zieht immer mehr Leute aus dem Umland an und die Schülerzahlen steigen stetig. Die Schulen in Rundu wurden vom Direktor gebeten in den ersten Klassen 60 Schüler/innen aufzunehmen, um allen schulpflichtigen Schüler/innen einen Schulplatz zu ermöglichen. Am Montag will er alle Inspektoren treffen, um diese Zahlen zu überprüfen. Als ich bei den Schulen unseres Bezirks Ncuncuni nachfragte, fiel mir auf, dass auch Schulen im Einzugsgebiet von Rundu total überfüllt sind. Eine dieser Schulen hat schon 70 Schüler/innen für ihre einzige erste Klasse. Doch die Schulen, die etwas abseits liegen, sind wie zu erwarten, eher unterdotiert. Das zeigt, dass immer mehr Menschen aus dem Umland in die Stadt ziehen.
Schüler/innen bei einer Landschule toben sich in der Pause aus. 
Ein anderes Problem sind die fehlenden Materiallieferungen von Schulbüchern und Schulheften, für welche das regionale Bildungsdirektorium zuständig ist. Doch irgendwo gibt es Verzögerungen und viele Schulen müssen nun ihr knappes Geld dafür verwenden, solche Dinge für ihre Schüler/innen mit ihrem knappen Geld einzukaufen.

Ich bin mal gespannt, ob der neue Direktor Schritte einleiten wird, damit mehr Schulbauten mit dem vorhandenen Geld gebaut werden können. Schon letztes Jahr haben Frau Hausiku und ich den Vorschlag gemacht, günstige vorfabrizierte Gebäude aufstellen zu lassen. Damals stiessen wir (noch) auf taube Ohren.

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