von Christian
Am 14. Januar hat das neue Schuljahr aller namibischen
Schulen begonnen. So steht es im Kalender des Bildungsministeriums. Was aber
offenbar nur aussenstehende überrascht, ist, dass zu Schuljahresbeginn viele
Lehrpersonenstellen noch nicht besetzt sind. Diesen Umstand erläutere ich im
Folgenden anhand unserer Besuche von kleinen Landesschulen im Bezirk
Ncuncuni.
| Frau Hausiku spricht mit Gemeindemitgliedern. |
Die sehr kleinen ländlichen Schulen in unserem Bezirk
liegen ca. 120 Kilometer im Süden von Rundu und sind nur auf sandigen Wegen zu
erreichen, was mehrere Stunden dauert. Oft werden an diesen Schulen etwa 30
Kinder der Klassen 1 bis 4 von zwei Lehrkräften unterrichtet. Das Leben und
Arbeiten in solchen Gemeinden verlangt von den Lehrkräften einiges ab, vor
allem wenn man auch den Umstand miteinbezieht, dass sie abseits von
Telefonverbindungen und Handynetz liegen.
| Ein Schulraumprovisorium ist fast fertig. |
Dies ist oft der Hauptgrund, warum sich ausgebildete
Lehrkräfte meistens an Schulen in Stadtnähe bewerben. Bis das
Anstellungsprozedere der viel zu wenig neuausgebildeten Lehrkräften an den rasant wachsenden
Schulen in Rundu beendet ist, darf das Ministerium kein unqualifiziertes
Personal ohne Lehrerausbildung anstellen, um diesem Lehrermangel zu begegnen. So kommt es, dass die meisten
Landschulen noch auf unqualifiziertes Lehrpersonal warten. Meistens sind es gute Schulabgänger
aus den eigenen Gemeinden, welche sich schon im Dezember temporär für ein Jahr
als Lehrkraft beworben haben. Doch bis vom regionalen Bildungsministerium die
Unterschriften unter ihren Vertrag gesetzt werden, dauert das halt etwas.
Doch
die Zeichen häufen sich, dass das nächste Woche der Fall sein wird und die unqualifizierten Lehrkräfte ihren Dienst antreten können.
| Die respektvollen Damen bestanden auf dieses Foto. |
In mehreren Fahrten in solche Schulgemeinden mussten wir
einzelnen Gemeindemitgliedern erklären, warum das so lange dauert, bis ihre
Kinder und Enkel unterrichtet werden. Oft finden vor Ort lange Diskussionen
statt, wie die Gemeinde von sich aus tätig werden könnte, um die Situation zu
entschärfen. In einer Gemeinde fand sich so eine Frau im mittleren Alter mit 9
Jahren Schulerfahrung, die den Kindern etwas Lesen und Schreiben beibringt und
mit kleiner Entschädigung die Zeit nun überbrückt, bis die ausgewählten Kandidaten
eitreffen. Oft sind es ältere Frauen, die an unseren im Radio angekündigten Treffen
teilnehmen. Das deckt sich mit der Beobachtung, dass viele Kinder bei den
Grosseltern wohnen, da die mittlere Generation gestorben ist (HIV und
Begleiterkrankungen, Unfälle usw.) oder in der Stadt einer Arbeit nachgeht.
| Eine Schüler/innengruppe drängt sich um unser Auto. |
Oft begegnen wir auf unseren Fahrten Schüler/innen auf
ihren langen Schulwegen von und zu den Schulen, welche mit reduzierter
Belegschaft zu unterrichten begonnen haben. Inzwischen kennen sie uns (die
Inspektorin und mich) und rufen unsere Namen, wenn wir vorbeifahren. Aus ihren
Gesichtern lesen wir, dass sie, wie die meisten Kinder auf der ganzen Welt,
gerne zur Schule gehen. Auf dem Schulweg wird viel gelacht und Blödsinn
gemacht.
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