Saturday, 31 January 2015

Das Schuljahr hat begonnen - zumindest auf dem Kalender


von Christian 
Am 14. Januar hat das neue Schuljahr aller namibischen Schulen begonnen. So steht es im Kalender des Bildungsministeriums. Was aber offenbar nur aussenstehende überrascht, ist, dass zu Schuljahresbeginn viele Lehrpersonenstellen noch nicht besetzt sind. Diesen Umstand erläutere ich im Folgenden anhand unserer Besuche von kleinen Landesschulen im Bezirk Ncuncuni. 

Frau Hausiku spricht mit Gemeindemitgliedern.
Die sehr kleinen ländlichen Schulen in unserem Bezirk liegen ca. 120 Kilometer im Süden von Rundu und sind nur auf sandigen Wegen zu erreichen, was mehrere Stunden dauert. Oft werden an diesen Schulen etwa 30 Kinder der Klassen 1 bis 4 von zwei Lehrkräften unterrichtet. Das Leben und Arbeiten in solchen Gemeinden verlangt von den Lehrkräften einiges ab, vor allem wenn man auch den Umstand miteinbezieht, dass sie abseits von Telefonverbindungen und Handynetz liegen.

Ein Schulraumprovisorium ist fast fertig.
Dies ist oft der Hauptgrund, warum sich ausgebildete Lehrkräfte meistens an Schulen in Stadtnähe bewerben. Bis das Anstellungsprozedere der viel zu wenig neuausgebildeten Lehrkräften an den rasant wachsenden Schulen in Rundu beendet ist, darf das Ministerium kein unqualifiziertes Personal ohne Lehrerausbildung anstellen, um diesem Lehrermangel zu begegnen. So kommt es, dass die meisten Landschulen noch auf unqualifiziertes Lehrpersonal warten. Meistens sind es gute Schulabgänger aus den eigenen Gemeinden, welche sich schon im Dezember temporär für ein Jahr als Lehrkraft beworben haben. Doch bis vom regionalen Bildungsministerium die Unterschriften unter ihren Vertrag gesetzt werden, dauert das halt etwas. 

Doch die Zeichen häufen sich, dass das nächste Woche der Fall sein wird und die unqualifizierten Lehrkräfte ihren Dienst antreten können.

Die respektvollen Damen bestanden auf dieses Foto.
In mehreren Fahrten in solche Schulgemeinden mussten wir einzelnen Gemeindemitgliedern erklären, warum das so lange dauert, bis ihre Kinder und Enkel unterrichtet werden. Oft finden vor Ort lange Diskussionen statt, wie die Gemeinde von sich aus tätig werden könnte, um die Situation zu entschärfen. In einer Gemeinde fand sich so eine Frau im mittleren Alter mit 9 Jahren Schulerfahrung, die den Kindern etwas Lesen und Schreiben beibringt und mit kleiner Entschädigung die Zeit nun überbrückt, bis die ausgewählten Kandidaten eitreffen. Oft sind es ältere Frauen, die an unseren im Radio angekündigten Treffen teilnehmen. Das deckt sich mit der Beobachtung, dass viele Kinder bei den Grosseltern wohnen, da die mittlere Generation gestorben ist (HIV und Begleiterkrankungen, Unfälle usw.) oder in der Stadt einer Arbeit nachgeht.
Eine Schüler/innengruppe drängt sich um unser Auto.

Oft begegnen wir auf unseren Fahrten Schüler/innen auf ihren langen Schulwegen von und zu den Schulen, welche mit reduzierter Belegschaft zu unterrichten begonnen haben. Inzwischen kennen sie uns (die Inspektorin und mich) und rufen unsere Namen, wenn wir vorbeifahren. Aus ihren Gesichtern lesen wir, dass sie, wie die meisten Kinder auf der ganzen Welt, gerne zur Schule gehen. Auf dem Schulweg wird viel gelacht und Blödsinn gemacht.
  

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