in letzter Zeit beschäftige ich mich mit Zahlen und Krankheits-Statistiken des Rundu State Hospitals. Ich weiss, Daten zu vergleichen ist eher eine abstrakte Sache, aber für ein Spital wie Rundu trotzdem sehr wichtig. Nur anhand von Zahlen können wir zum Beispiel gegenüber der Regierung beweisen, dass wir mehr Gesundheitspersonal oder Geld für unseren Service brauchen.
| Miss Data und ich |
Gerne möchte ich nun ein paar eindrückliche Zahlen für ein Spital von 330 Betten zur Verfügung stellen.
Im Notfall und angrenzend in mehreren nach Fachbereichen unterteilten ambulanten Behandlungs-räumen werden pro Monat zusammen 8500 bis 9000 Patienten behandelt.
Dies hat zur Folge, dass die ganze Eingangshalle nur so mit Patienten überfüllt ist, welche geduldig in Schlangen auf ihre Behandlung warten. Da auch zuwenig Sitzgelegenheiten in diesem Bereich vorhanden sind, müssen Patienten auch auf dem Boden sitzen oder liegen. Die Wartezeit kann ohne Problem 5 bis 8 Stunden dauern, bis ein Patient mit seinen Medikamenten wieder nach Hause gehen kann oder hospitalisiert wird.
Kritische Fälle werden direkt auf die Notfallstation verlegt. Dies sind pro Tag zwischen 60 und 190 Patienten. Spitzenwerte werden immer am Ende des Monats erreicht, wenn Zahltag ist. Dann kommen viele Leute in die Stadt, gehen zur Bank und erledigen ihre Einkäufe. Leider wird auch viel Geld in Alkohol investiert, was wiederum vermehrt zu Unfällen, Messerstechereien, Vergewaltigungen usw. führt. So hat das Spital immer um die Zahltage Hochsaison. Wir sind ein 24-Stunden Betrieb und dürfen keine Patienten abweisen.
Auch die Aidsklinik, die ans Spital angegliedert ist, meistert Tag für Tag eine enorme Anzahl Patienten. So behandelt ein Team (bestehend aus einem Doktor, zwei Pflegenden, einer Beraterin, einer Datenerfassungsperson und einem Apothekerhelfer) in einem Monat ca. 2500 Patienten. Das andere Team (bestehend aus den gleichen Personen, nur eine Pflegende weniger) welches in die verschiedensten umliegenden grösseren Kliniken geht, behandelt dort nochmals 1500 bis 2500 Patienten. Diese Zahlen zeigen leider auch die erschreckend hohe HIV/Aidsrate im Kavango, gemessen bei schwangeren Frauen, welche bei 24% liegt. Diese Zahl wird nur in der Region Zambezi (ehemals Caprivi) mit 37.7% übertroffen.
Sehr beeindruckend sind auch die Zahlen unserer Geburtenabteilung. Für eine Bettenstation mit 30 Betten (und oft vielen Matratzen auf dem Boden) und zwei Gebärsälen meisterten unsere Hebammen von Oktober bis Dezember 2014 1107 Geburten. Im Schnitt bewältigen sie täglich zwischen 10 und 20 Geburten. Da ein Teil der gebärenden Frauen unter 18 Jahre alt sind, gibt es oft auch schwierige Geburten (Kaiserschnitte) und gravierenden Komplikationen bei den Müttern (Eklampsie, Blutungen usw.) und Kinder (Untergewicht, mangelhafte Entwicklung usw.). Dies hat zur Folge, dass die Neonatologie und Intensivstation auch gut belegt ist. Leider sind in diesen drei Monaten 45 Kinder und sieben Mütter bei oder in den ersten Tagen nach der Geburt verstorben.
Das Milleniumgoal, die Kinder-und Muttersterblichkeit zu senken, ist hier in Namibia sicher besonders wichtig, wenn man weiss, dass in den Monaten Oktober bis Dezember bei uns im Spital 70 Kinder, die jünger als ein Jahr und insgesamt 90 Kinder die jünger als fünf Jahre alt waren, verstorben sind.
Die Top 10 Behandlungen von Oktober bis Dezember 2014 waren:
Durchfall, Gastro-Enteritis 195
Schizophrenie und andere psychische Erkrankungen 116
Mangelernährung 104
Blutarmut (Anaemie) 92
Spontane Abtreibung des Kindes 89
Hypertonie (Bluthochdruck) 84
andere Diagnosen 68
Lungenentzündungen 66
Infektionen von Schwangeren um den Zeitpunkt der Geburt 58
Verschiedene Lungenerkrankungen 55
Erstaunlich mag für viele die vielen psychischen
Erkrankungen sein. Aber viele Infektionskrankheiten wie HIV/Aids, Hirnhautentzündungen, Tuberkulose so
wie Alkoholmissbrauch, sexuelle Missbräuche, Inzest und andere soziale Probleme können die Psyche eines
Menschen, neben anderen psychischen Krankheiten, gewaltig beeinflussen. So sind wir täglich
mit psychotischen und auch aggressiven Menschen konfrontiert, wo Einsperren und eine kontrollierte
Medikamentenabgabe oft die einzige mögliche Behandlung ist. Leider ist es eine Tatsache, dass wir
sehr viele psychische Erkrankungen haben, welche wir hier in Namibia nur bedingt
behandeln können. So ist erst auf das Jahr 2018 eine psychiatrische Klinik für den ganzen Norden von Namibia
geplant. Bis dahin werden diese Patienten wohl noch ein bisschen auf eine kompetente und angepasste Behandlung warten
müssen.
Total case
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