Saturday, 28 February 2015

Kampf um Land


von Christian
Namibia, das Land mit der zweitniedrigsten Bevölkerungsdichte der Welt, hat die höchste Preisinflation bei Grundstücken. Was sich wie ein Witz anhört, ist Realität und vor allem in und um Windhoek zu beobachten. Die Grundstückspreise steigen jährlich im Durchschnitt um 17 Prozent, bei einer allgemeinen Teuerung von weniger als 5 %.

Für die meisten Menschen in Rundu ist dies nicht spürbar. Magdalena zum Beispiel ist letztes Jahr umgezogen und hat sich vom Ortsvorsteher ein Grundstück für umgerechnet 100 CHF gekauft, wo sie eine traditionelle Hütte für die Kinder und ein Zinkhaus für sich und ihren Mann gebaut hat. Doch solche Grundstücke sind nicht erschlossen, d.h. Wasser und Strom stehen nicht zur Verfügung. Das Wasser holt sie von einem nahen Brunnen. Doch im Zentrum von Rundu, das mit Wasser und Strom erschlossen ist, ist diese Preissteigerung zu beobachten.

Für gutausgebildete Menschen in anderen Städten wirkt sich diese Grundstücks-Preisexplosion drastisch aus. Land wird da von der Stadtverwaltung erschlossen und verkauft. Da die Erschliessung aber wegen der grossen Bürokratie der Nachfrage hinterher hinkt, gibt es einen Antragsstapel, der immer höher wird. So war zu lesen, dass man in Windhoek momentan dabei sei, Landanträge vom Jahre 2004! abzuarbeiten. Das magere Angebot führt nun natürlich dazu, dass Landbesitzer ihr Land an vermögende Leute weiterverkaufen. Der  namibische, kommunistisch anmutende Einparteienstaat lässt diese neoliberale Praxis zu und die landbesitzende Elite profitiert dabei. 

Langsam wächst der Unmut der jungen Mittelschicht, die den Traum vom Eigenheim verwirklichen will. Oft wohnen diese Menschen in Miethäusern und zahlen für namibische Verhältnisse horrende Mieten. In den Medien werden immer wieder Fälle publiziert, die zeigen, dass gewisse Landbewerber "gleicher" als andere behandelt werden. So wurden zum Beispiel der namibischen "Big-Brother-Afrika"-Gewinnerin Land zu einem Spot-Preis angeboten, altgediente Parteimitglieder bekamen Land geschenkt und der Sohn der Bürgermeisterin von Windhoek kaufte gleich mehrere Grundstücke ohne je ein Antragsformular ausgefüllt zu haben. Die meisten Normalbürger/innen warten aber schon Jahre darauf, dass ihre Anträge behandelt werden.

Diese Berichte erzürnen die junge Mittelschicht. Sie hat nun aber in Job Amupanda, ein ehemaliges SWAPO Jungparteimitglied (er wurde aus der Partei verbannt) einen intelligenten Vorkämpfer mit Che Guevara Habitus gefunden. Zusammen mit zwei Mitstreitern gründete er die "Affirmative Repositioning Action". Letztes Jahr rief diese in Windhoek zu einem Tag des Grundstückerwerbs für Junge auf, wo 15'000 Leute am selben Tag einen Antrag für Land ausfüllten. Die Formulare enthalten die Drohung, dass die Antragsteller Land besetzen werden, wenn ihnen bis Mitte Jahr kein Land zu erschwinglichen Priesen angeboten wird. 

Langsam macht sich bei der oben genannten Elite Nervosität breit und die Politik weiss nicht so recht, wie sie der Sache begegnen will, die langsam aber sicher revolutionäre Züge annimmt. Gestern gab es ähnliche Aktionen in mehreren Städten an der Küste, wo wieder tausende von Bewerber das Formular ausgefüllt haben. Davon handelt der untenstehende Bericht. 

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Sache weiter entwickeln wird. 



NEWS - | 2015-02-27
Land application numbers escalate


WE WANT LAND... Job Amupanda addresses an active crowd at Okahandja


As mass land applications, under the Affirmative Repositioning action, happen countrywide more landless Namibians continue to submit their applications for land in their respective towns and rejecting Swapo's threats of suspending members who would dare apply for land today.

So far, Walvis Bay has recorded over 4 000 applications this morning. The process at the town is described as orderly.
The coastal town of Swakopmund's town council received nearly 6 000 applications so far today. No sign of land grabbing was reported thus far. A Swapo member, wearing party colours and waving a flag inside the application area in Swakopmund, was asked to leave.
In Okahandja, residents were flocking to the municipality's offices with their forms prompting the deployment of two police officers to maintain law and order. After a meeting with the town's CEO, Job Amupanda, who initiated the action, addressed a crowd chanting “we want land”. “We are also special and we will not be intimidated by anyone,” said Amupanda, who was suspended from the SPYL because of his activism for access to urban land.
In Ondangwa, submissions have exceeded 5 000 at the Ondangwa Town Council, seeing applicants disperse after submission.

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